07.04.2026 | 05:45
Kursrücksetzer vor Kursexplosion genutzt? Desert Gold, Hapag Loyd, Südzucker
Während am Ostermontag die Börsen in Deutschland und Europa weitestgehend geschlossen blieben, fand in Japan, Korea, Russland und den USA der Handel regulär statt. Die Leitbörsen der USA konnten nach einem schwachen Start im Tagesverlauf zulegen und höher schließen, als sie die letzte Woche beendet hatten. Nur knapp unter den Jahreshochs von 119 USD notierte gestern der Ölpreis der Sorte WTI und ging mit 110 USD das Barrel aus dem Handel. Was sonst noch wichtig ist und welche Aktien zuletzt im Fokus standen, erfahren sie hier:
Lesezeit: ca.
5 Minuten.
Autor:
Alfred Laugeberger
ISIN:
CA25039N4084 , DE000HLAG475 , DE0007297004
Desert Gold in sechs Monaten zum Goldproduzenten
Der kanadische Goldexplorer Desert Gold Ventures Inc. (WKN: A14X09 | ISIN: CA25039N4084 | Ticker-Symbol: QXR2) hat in den letzten Wochen einen signifikanten Wandel vollzogen. Waren die Kanadier bisher mit dem Erwerb der Exploration und der Entwicklung von Mineralressourcengrundstücken in Mali und der Elfenbeinküste beschäftigt, wird das Unternehmen bis zum Sommer dieses Jahres den Sprung zum Produzenten schaffen. Diese gewaltige Veränderung für das Explorationsunternehmen war durch die Kapitalerhöhung von Ende Januar 2026 möglich. Die Platzierung war stark nachgefragt und überzeichnet, so dass statt der geplanten Kapitalbeschaffung von 5 Mio. CAD schlussendlich 7,18 Mio. CAD eingeworben werden konnten.
Mit diesem Geld wird Desert Gold das unternehmenseigene SMSZ-Goldprojekt in den nächsten fünf Monaten zur Goldproduktion bringen. Die Geschwindigkeit der Projektentwicklung ist möglich, weil die beiden Goldoxidlagerstätten Barani und Gourbassi auf dem SMSZ-Projektgebiet oberflächennah sind. Damit kann das Golderz kostengünstig im Tagebau abgebaut werden. In der vorläufigen wirtschaftlichen Bewertung (PEA) vom Dezember 2025 zeigte das Explorationsunternehmen bereits, dass der Abbau zu Gesamtkosten der Goldproduktion (AISC) von ca. 1.150 USD je Goldunze möglich ist. Durch den hohen Goldpreis amortisiert sich das Projekt bereits in weniger als zwei Jahren. Das Projekt wird mit dem ansteigenden Cashflow über die kommenden Quartale kontinuierlich bis zu einer Verarbeitungskapazität von 1.200 t goldhaltiges Gestein am Tag ausgebaut werden. So will das Unternehmen über 113.100 Unzen Gold in einem Zeitraum der nächsten zehn Jahren abbauen.
Doch dieser Zehn-Jahreszeitraum bezieht sich nur auf die bisherigen Goldfunde in den beiden Projektgebieten, nicht aber auf das gesamten SMSZ-Projekt. Dort lagert noch deutlich mehr Gold und es soll durch weitere Bohrprogramme nach und nach erschlossen werden. Bereits jetzt nachgewiesene und angedeutete Ressourcen (M&I) deuten auf insgesamt 27,16 Mio. Tonnen Gestein mit mind. 879.900 weiteren Goldunzen hin. Diese werden derzeit in der Kategorie „vermutete Ressource“ geführt und sollen noch in die Kategorie „nachgewiesen“ überführt werden. Wenn der Unternehmensleitung um CEO Jared Scharf dies gelingt, würde sich die Minenlaufzeit entsprechend entweder deutlich verlängern und/oder die Verarbeitungskapazität könnte weiter erhöht werden.
Hapag-Lloyd bricht ein: Was steckt dahinter?
Die Aktie des Transport- und Logistikunternehmens aus Hamburg, Hapag-Lloyd (WKN: HLAG47 | ISIN: DE000HLAG475 | Ticker: HLAG), gehörte in der vergangenen Woche bei den deutschen Aktien zu den Verlierern. Der Kurs brach nach Bekanntgabe der finalen Q4-Zahlen und damit auch die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 deutlich ein. Der Umsatz lag bei 18,63 Mrd. EUR und damit unter den 19,11 Mrd. EUR aus 2024. Besonders deutlich war der Rückgang beim operativen Gewinn, der mit 933 Mio. EUR klar unter den 2,5 Mrd. EUR aus 2024 lag. Das Nettoeinkommen lag final bei 910 Mio. EUR und damit ebenfalls deutlich niedriger als die 2,39 Mrd. EUR im Vorjahr. Das sieht auf den ersten Blick nicht gut aus und hört sich entsprechend schwach an.
Der operative Cashflow war mit 2,5 Milliarden Euro deutlich niedriger als die 4,3 Milliarden Euro aus 2024 und der Bestand an Barmitteln schrumpfte im Jahresvergleich von 5,4 Mrd. EUR auf 3,4 Mrd. EUR bis Ende 2025. Das sind ganze 2 Mrd. EUR weniger an liquiden Mitteln. Zu schaffen machten dem Konzern im vergangenen Jahr die Wetterprobleme, Engpässe an wichtigen Häfen, schwankende Frachtraten, die volatile Nachfrage, die US-Zollpolitik und die anhaltenden Spannungen im Roten Meer. All diese Faktoren sorgen auch dafür, dass sich das Management beim Ausblick auf 2026 eher vorsichtig und defensiv verhält, zumal mit dem Iran-Krieg eine nächste wichtige Handelsroute derzeit de facto nicht befahrbar ist. Genau diese Punkte und Unsicherheiten sowie steigende Inflationsprognosen durch den Ölpreisanstieg lasten auf dem Aktienkurs und schickten diesen zuletzt auf Talfahrt.
20 % in vier Tagen: Südzucker startet durch
Die Aktie der Südzucker AG (WKN: 729700 | ISIN: DE0007297004 | Ticker: SZU) gehörte in der vergangenen Woche dagegen zu den deutschen Aktien mit starkem prozentualen Kursanstieg. Durch den Kurssprung hat die Aktie wieder ihr 1-Jahres-Hoch erreicht und liegt seit Jahresanfang nun über 36 % im Plus. Bullish für die Aktie ist der Kursanstieg des Rohstoffs Zucker an den Termin- und Futuresmärkten. Das kommt entsprechend dem Unternehmen zu Gute, denn die Gewinnmarge steigt dadurch an. Ebenfalls positiv, wenngleich eher indirekt, wirkt sich der steigende Ölpreis aus. Laut Analysten der Commerzbank profitiert Zucker von steigenden Ölpreisen. Das liegt daran, dass Ethanol als Beimischung wieder attraktiver wird, wenn Öl teurer wird und Zucker wird verwendet, um Ethanol herzustellen.
Genau davon profitiert die Südzucker AG indirekt, teilweise aber auch direkt. Große Zuckerproduzenten wie zum Beispiel Indien werden sehr wahrscheinlich mehr von ihrem Zucker im eigenen Land für Ethanol verbrauchen. Dadurch wird das globale Angebot knapper und deshalb steigt der Zuckerpreis. Die Frage ist jetzt aber, ob das auch mittel- bis langfristig so bleibt oder ob das nur ein Boom ist, der bald wieder zurückgeht. Das hängt davon ab, wie sich die Spannungen im Nahen Osten weiterentwickeln und wie schnell sich die Lage wieder normalisiert.
Das Unternehmen mit seinem Hauptsitz in Mannheim feiert übrigens mit seinen mehr als 19.000 Mitarbeitern in diesem Jahr sein 100. Jubiläum. Steigende Zuckerpreise sind daher willkommen, denn in 2025 sank der Umsatz auf 9,6 Mrd. EUR, nachdem im Vorjahr noch 10,2 Mrd. EUR erzielt werden konnten. Dieser Umsatzrückgang machte sich stark beim deutlichen Gewinnrückgang bemerkbar. Konnten in 2024 noch 648 Mio. EUR Gewinn ausgewiesen werden, kehrte sich das in 2025 in einen Verlust von 86 Mio. EUR um. Mit einer Marktkapitalisierung von 2,56 Mrd. EUR gehört das Unternehmen zu den mittelgroßen deutschen Aktien und ist im SDAX gelistet.
Fazit
Durch den nach wie vor hohen Goldpreis profitieren Unternehmen wie Desert Gold, welches mit dem Aufbau der Produktionskapazitäten über hohe Gewinnmargen verfügen wird. Einer Neubewertung der Aktie wäre die Folge, auf welche die ersten Anleger bereits zu setzen scheinen. Sollte der Zuckerpreis in den kommenden Monaten weiter steigen, dürfte auch die Aktie der Südzucker AG vor einer Neubewertung stehen. Wenig Zuversicht strahlt derzeit die Aktie von Hapag Loyd aus, die durch die Schließung der Straße von Hormus und demzufolge durch wegbrechende Umsätze vor einem weiteren herausfordernden Jahr stehen sollte.