19.06.2026 | 05:45
Michael Burry kauft, Asien-Fokus und Rebound – dynaCERT, Fiserv, Kion
Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 hat die Volatilität an den globalen Aktienmärkten deutlich zugenommen. Besonders die geopolitische Eskalation im Nahen Osten dominierte die Börsen in den vergangenen vier Monaten. Mit den vorläufigen Friedensvereinbarungen im Iran-Krieg rücken nun die neuesten ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit und könnten als nächstes die Rohölpreise wieder in die Höhe treiben. Der Angebotsschock durch die Schließung der Straße von Hormus ist noch nicht verdaut und die Inflations- sowie Rezessionsängste bei den Anlegern sind nach wie vor vorhanden. Dennoch bieten sich immer wieder neue Chancen, was die folgenden Unternehmen unter Beweis stellen:
Lesezeit: ca.
4 Minuten.
Autor:
Alfred Laugeberger
ISIN:
CA26780A1084 , DE000KGX8881 , US3377381088
dynaCERT: Forciert Kapitalzufluss Asien-Expansion?
Steigende Kraftstoffkosten und strikte Emissionsgesetze rücken den Cleantech-Spezialisten dynaCERT Inc. (WKN: A1KBAV | ISIN: CA26780A1084 | Ticker: DMJ) wieder vermehrt in den Fokus der internationalen Logistikbranche. Die patentierte HydraGEN-Technologie des kanadischen Unternehmens leitet ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch direkt in Dieselmotoren, was den Kraftstoffverbrauch je nach Motortyp senken kann. Die erzielten Emissionsreduktionen werden zudem softwarebasiert sehr detailliert erfasst und das generiert zusätzlich lukrative und handelbare CO2-Zertifikate. Dieses Win-Win-Geschäftsmodell, bei dem Logistiker und Unternehmen mit hohem Dieselverbrauch ihren Kraftstoffeinsatz senken und damit die Kosten optimieren können. Das erhöht nicht nur die Flottenrentabilität bei den Logistikern, sondern generiert auch einen wachsenden Einkommensstrom durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten.
Um die weltweite Marktdurchdringung zu beschleunigen, sicherte sich der Konzern derzeit über eine Privatplatzierung ohne Brokerbeteiligung liquide Mittel in Höhe von bis zu 5 Mio. CAD. Diese Wandelanleihe wird zu 6 % p. a. verzinst, kann aber innerhalb von zwei Jahren zu 0,15 CAD je Aktie in Eigenkapital umgewandelt werden. Das entspricht einem Aufschlag von 20 % zum letzten Börsenkurs von 0,125 CAD (0,075 EUR). Zudem wurde kürzlich ein planmäßiger Führungswechsel vollzogen, bei dem der bisherige operative Leiter (COO) Kevin Unrath den langjährigen CEO James Murray Payne ablöste. Unter der neuen Führung soll die Unternehmensentwicklung nun konsequent auf eine operativ effiziente Skalierung ausgerichtet werden. Durch die Wandelanleihe wird die Bilanzstruktur spürbar gestärkt und verschafft dem Management den nötigen Spielraum zur weiteren internationalen Expansion.
Ein zentraler Eckpfeiler dieser Wachstumsstrategie ist der Markteintritt in Vietnam, wo über dreieinhalb Millionen schwere Nutzfahrzeuge eine enorme wirtschaftliche Zielgruppe bilden. Aufgrund hoher Importabhängigkeit und geopolitischer Krisen sind die lokalen Dieselpreise zuletzt extrem gestiegen, was Transportfirmen zur sofortigen Verbrauchsoptimierung zwingt. Um diese dringende Nachfrage zu bedienen, forciert dynaCERT vor Ort mehrere Pilotprojekte und kooperiert eng mit der Technischen Universität HCMUT sowie einem vietnamesischen Öl- und Gaskonzern. Dieser strategische Brückenkopf soll ein standfestes Fundament werden, um die Technologie nach und nach im südostasiatischen Raum zu etablieren.
KION-Aktie: Trendwende-Potenzial im Bärenmarkt?
Der Automatisierungsspezialist für Lieferketten KION Group (WKN: KGX888 | ISIN: DE000KGX8881 | Ticker: KGX) muss derzeit ein durch zyklische Zurückhaltung geprägtes Marktumfeld meistern. Als führender Anbieter für Flurfördertechnik und Lagertechnik gehören zum klassischen Geschäft auch die Gabelstapler. Entsprechend dem wirtschaftlichen Abschwung in Europa und Nordamerika präsentiert sich die Aktie schwach. Seit Jahresbeginn hat der Wert fast 40 % eingebüßt und die Marktkapitalisierung ist auf 5,5 Mrd. EUR zurückgekommen. Zwar zeigte der Titel in den letzten Tagen leichte Erholungstendenzen, notiert aber weiterhin unter allen relevanten gleitenden Durchschnitten. Erst ein Ausbruch über die Widerstandszone bei 41,50 EUR – 43,00 EUR würde eine mögliche Trendwende einleiten, andernfalls bleibt es nur ein temporärer Rebound.
Das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 spiegelt diesen Druck wider, da das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) um 14 % auf 788,6 Mio. EUR und der Nettogewinn auf 240,5 Mio. EUR sank. Dennoch offenbart der Blick in die Bilanzen eine bemerkenswerte finanzielle Widerstandsfähigkeit des Unternehmens. Durch diszipliniertes Kapitalmanagement stieg der freie Cashflow auf 709,5 Mio. EUR, während die Nettoverschuldung gleichzeitig um 329 Mio. EUR auf 584 Mio. EUR reduziert wurde. Diese solide Liquiditätsausstattung sichert KION den strategischen Handlungsspielraum in der aktuellen Schwächephase.
Handfeste Indikatoren für eine operative Bodenbildung liefert nun das erste Quartal 2026, das bei stabilen Umsätzen einen beachtlichen Nettogewinn von 92,2 Mio. EUR verzeichnete. Während das Staplergeschäft noch Gegenwind spürt, profitiert der Konzern maßgeblich von der starken Wachstumsdynamik im margenstarken Automatisierungssegment. Untermauert wird dies in Q1 durch einen zweistellig gestiegenen Auftragseingang von knapp 3 Mrd. EUR. Entsprechend optimistisch blickt das Management nach vorn. Mit einem prognostizierten bereinigten EBIT von bis zu 1,04 Mrd. EUR liefert KION klare Argumente für eine fundamentale Erholung.
Fiserv: Michael Burry kauft den Absturz
Der Zahlungsverkehrssektor spürt den wirtschaftlichen Gegenwind und den globalen Wettbewerb. Entsprechend stark ist der Abgabedruck auf der Aktie von Fiserv (WKN: 881793 | ISIN: US3377381088 | Ticker: FISV) gewesen, die vom Allzeithoch im März 2025 bei 238,59 USD mittlerweile 80 % an Kurswert verloren hat. Zuletzt wurde die Aktie bei 48,50 USD (42,30 EUR) auf einem neuen Neunjahrestief gehandelt. Daher musste kürzlich der CEO Mike Lyons nach nur 13 Monaten den Hut nehmen und wurde durch Co-President Takis Georgakopoulos ersetzt. An der Börse wird das Unternehmen derzeit nur noch mit 26 Mrd. USD bewertet und viele Analysten sehen den Wechsel in der Führung kurz nach dem Kapitalmarkttag als kritisch.
Nicht so sieht es der Value-Investor Michael Burry, der auch als „The Big Short“ im Zuge der US-amerikanischen Immobilienkrise 2008 durch seine Shortwetten bekannt geworden ist. Dieser sieht den Absturz als historische Einstiegschance und baute seine Position nach dem CEO-Wechsel gezielt bei 48,50 USD aus. Zwar enttäuschte das erste Quartal 2026 mit einem organischen Umsatzrückgang von 4 %, doch die finanzielle Ertragskraft ist weiter immens. Im Vorjahr generierte Fiserv einen beeindruckenden freien Cashflow von 4,44 Mrd. USD bei einem Nettogewinn von 3,48 Mrd. USD. Der Starinvestor Burry kalkuliert offenbar, dass der neue CEO die technologische Expertise besitzt, um die solide Bilanzstärke in neues Unternehmenswachstum zu verwandeln.
Als zentraler Motor für den Turnaround fungiert die Handelsplattform Clover. Mit über 900.000 Firmenkunden bildet sie das Ertragsrückgrat des Unternehmens. Da der Vorstand die Jahresprognose eines bereinigten Gewinns von 8,00 bis 8,30 USD je Aktie bestätigte, ist der Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von acht fundamental günstig bewertet. Ein durchschnittliches Analystenkursziel von 70 USD signalisiert ein Kurspotenzial von über 45 % für den gebeutelten Finanzdienstleister.
Fazit
DynaCERT expandiert mit seiner emissionssenkenden HydraGEN-Technologie auf den vietnamesischen Markt und will sein Wachstum beschleunigen. Die KION-Aktie zeigt wieder fundamentale Stärke an, die sich aber derzeit im Aktienkurs bisher nicht widerspiegelt. Sollte Fiserv die operative Reorganisation unter der neuen Führung gelingen, bietet sich risikobereiten Investoren wie Michael Burry eine attraktive Einstiegsgelegenheit.