21.07.2026 | 05:45
Schwache Handelswoche, Starke Banken und ein interessantes Ölserviceunternehmen – Bank of America, IBM, J.P. Morgan, Zefiro Methane
Die vergangene Handelswoche vom 13. bis 17. Juli 2026 stand im Zeichen starker Quartalszahlen der großen US-Banken, steigender Ölpreise und wachsender Nervosität an den Aktienmärkten. Während der S&P 500 rund 1,2 % und der Nasdaq 3 % verloren, konnten sich mehrere Bankaktien dem schwachen Marktumfeld entziehen. Auch diese Woche dürfte durch den Krieg der USA im Iran, aber auch die Angriffe der Ukraine auf die Ölraffinerien Russlands der Ölpreis wachsende Beachtung finden, denn steigende Ölpreise verteuern die gesamte Wertschöpfungskette und das sorgt für anziehende Teuerungsraten in den kommenden Monaten. Wer dennoch in diesem Umfeld profitiert, lesen Sie hier.
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6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
US4592001014 , CA98926D1069 , US46625H1005 , US0605051046 , US38141G1040 , US6174464486 , US1729674242
IBM-Crash überschattet schwache Handelswoche
Die IBM-Aktie (WKN: 851399 | ISIN: US4592001014 | Ticker: IBM) hat in der vergangenen Handelswoche einen historischen Kurseinbruch erlebt. Während starke Quartalszahlen der großen US-Banken und überraschend niedrige Inflationsdaten zunächst für Hoffnung sorgten, lösten Zweifel an den hohen KI-Investitionen eine deutliche Korrektur im Technologiesektor aus. Am Montag, dem 13. Juli, notierte die IBM-Aktie noch bei rund 290 USD. Einen Tag später brach sie um mehr als 25 % auf 217,07 USD ein. Bis zum Freitag fiel der Kurs weiter auf 212,67 USD. Insgesamt verlor IBM innerhalb einer Woche rund 27 % und vernichtete fast 70 Mrd. USD Börsenwert. Die Marktkapitalisierung beträgt nun mit gestrigem Kursschluss bei 212 USD (185 EUR) nur noch rund 200 Mrd. USD.
Auslöser waren überraschend veröffentlichte vorläufige Zahlen für das zweite Quartal. IBM erzielte einen Umsatz von 17,2 Mrd. USD und damit lediglich 1 % mehr als im Vorjahr. Das Softwaregeschäft wuchs um 5 %, während die Beratungssparte stagnierte. Besonders enttäuschend entwickelte sich das Infrastrukturgeschäft mit einem Umsatzrückgang von 7 %. CEO Arvind Krishna übernahm in einem ungewöhnlich offenen Investorenbrief die Verantwortung. IBM habe sich nicht schnell genug an veränderte Einkaufsentscheidungen der Kunden angepasst. Zudem seien zahlreiche große Verträge nicht innerhalb des erwarteten Zeitraums abgeschlossen worden. Krishna räumte ausdrücklich ein, dass das Unternehmen bei der Umsetzung versagt habe.
Vor allem das Geschäft rund um den neuen Großrechner z17 und die dazugehörige Transaktionssoftware blieb hinter den Erwartungen zurück. Viele Kunden verschoben ihre Investitionsbudgets kurzfristig in Richtung Server, Speicher und Arbeitsspeicher, um sich vor Lieferengpässen und erwarteten Preiserhöhungen abzusichern. Cybersecurity-Sorgen hätten Investitionsentscheidungen zusätzlich verzögert.
Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg dennoch um 5 % auf 2,93 USD. Nach GAAP sank er um 2 % auf 2,27 USD. Der freie Cashflow erreichte seit Jahresbeginn 4,8 Mrd. USD. Positiv entwickelten sich Red Hat mit einem Wachstum von 11 % und das Geschäft mit dezentraler Infrastruktur, das um 37 % zulegte. Der IBM-Crash verstärkte die allgemeine Technologieschwäche. Auf Wochensicht verlor der Nasdaq rund 3 %, der S&P 500 etwa 1,2 % und der Dow Jones knapp 1 %. Auch der DAX gab rund 0,5 % nach. Die IBM-Aktie liegt seit Jahresbeginn etwa 27 % und auf Zwölfmonatssicht rund 25 % im Minus. Neue Impulse werden von den vollständigen Quartalszahlen und der aktualisierten Jahresprognose am morgigen 22. Juli erwartet.
Zefiro Methane: Partnerschaft in Oklahoma schärft US-Wachstum
Zefiro Methane (WKN: A3DVHU | ISIN: CA98926D1069 | Ticker-Symbol: Y6B) positioniert sich als spezialisierter Dienstleister für die Stilllegung verwaister Öl- und Gasbohrlöcher in den USA. Das aus diesen ehemaligen Bohrlöchern austretende Methan gilt als besonders wirksames Treibhausgas. Entsprechend erhöhen Regulierung und Förderprogramme in Nordamerika den Druck auf die Erdöl- und Erdgasunternehmen zur Messung und Reduktion dieser Emissionen. Gleichzeitig wissen aber die US-Behörden, dass erneuerbare Energien den Strombedarf für die Elektrifizierung, Rechenzentren und KI nicht decken können, sodass Erdgas als flexible Brückentechnologie angesehen wird. Daher müssen die Förderunternehmen ihre Sanierungsinvestitionen erhöhen, aber gleichzeitig finanzieren die US-Bundesstaaten und die US-Bundesregierung über den 4,7 Mrd. USD schweren „Infrastructure Investment and Jobs Act“ die fachgerechte Versiegelung verwaister Bohrlöcher.
Laut USGS-Datenbank wird es in 27 Bundesstaaten der USA mehr als 120.000 verlassene Bohrlöcher geben. Dazu kommen noch je nach Quelle bis zu 1,1 Mio. ehemalige Bohrlöcher, die nicht richtig verschlossen worden sind und ebenfalls ausgasen. Das langfristige Sanierungspotenzial wird in Größenordnungen von mehreren 100 Mrd. USD verortet, woraus sich seit Jahren ein stetig wachsender Sanierungsmarkt entwickelt hat. Zefiro kombiniert dabei mit seinen Spezialistenteams die operative Sanierung mit der zugehörigen Emissionsmessung. Durch die Methangasreduzierung entwickeln sich auch handelbare Emissionsgutschriften und diese erweitern damit die zukünftige Wertschöpfung des Unternehmens über die klassischen Serviceumsätze hinaus.
Mit der im Juli 2026 bekannt gegebenen Kooperationsvereinbarung mit der Well Done Foundation (WDF) verschiebt sich der Fokus zudem stärker auf planbare Projektpipelines in den USA. Von der WDF erhielt Zefiro zunächst den Auftrag, zehn Bohrlöcher im Deep Fork National Wildlife Refuge (Oklahoma) zeitnah zu verschließen. Für 2027 werden im Rahmen des WDF-Vertrags mit dem U.S. Fish and Wildlife Service weitere rund 20 Bohrlöcher als wahrscheinlicher nächster Auftrag bereits genannt. Operativ relevant ist zudem die gemeinsame Nutzung des WDF-Betriebshofs in Okmulgee (Oklahoma), was die regionale Präsenz in einem Kerngebiet der US-Öl- und Gasindustrie verstetigt. Als „bevorzugter“ Auftragnehmer soll Zefiro bei WDF-Projekten in den 13 US-Bundesstaaten zum Zug kommen, in denen das Unternehmen operativ bisher tätig ist. WDF selbst ist in 18 Bundesstaaten aktiv und berichtet von über 120 verschlossenen Bohrlöchern sowie vermiedenen Emissionen von über 5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent.
Damit hat Zefiro die weitere Geschäftsskalierung bereits operativ angestoßen. Für die ersten drei Quartale des Geschäftsjahres 2025/26 werden rund 33 Mio. USD Umsatz und ein deutlich positives bereinigtes EBITDA genannt. Für das Gesamtjahr stellt das Management Erlöse von über 40 Mio. USD in Aussicht. Bei rund 97,3 Mio. Aktien liegt die Marktkapitalisierung bei etwa 61,3 Mio. CAD (Kurs: 0,63 CAD bzw. 0,39 EUR) und damit beim 1,5-fachen Jahresumsatz. Sollte die EBITDA-Marge bei 12,8 % bleiben oder sich sogar verbessern, dürfte zum Jahresabschluss ein EBITDA von 5,12 Mio. CAD erwartet werden.
US-Banken trotzen unruhiger Börsenwoche – J.P. Morgan nähert sich der Billionenmarke
J.P. Morgan Chase (WKN: 850628 | ISIN: US46625H1005 | Ticker: JPM) beendete die vergangene Handelswoche mit einem Plus von rund 1,4 %. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie knapp 5 % und auf 52-Wochen-Basis etwa 17 % im Plus. Der Börsenwert beträgt aktuell rund 901 Mrd. USD. Damit nähert sich J.P. Morgan weiter der Marke von 1 Billion USD an. Die nach Vermögenswerten größte US-Bank meldete für das zweite Quartal einen Rekordgewinn von 21,2 Mrd. USD beziehungsweise 7,70 USD je Aktie. Darin waren allerdings Sondergewinne aus Visa-Aktien und weiteren Beteiligungen enthalten. Ohne diese Effekte lag der Gewinn bei 16,9 Mrd. USD oder 6,14 USD je Aktie. Die Markterträge stiegen um 35 %, die Erträge aus dem Aktienhandel sogar um 86 %. Gleichzeitig erhöhten sich die Investmentbanking-Gebühren um 30 %. Die Aktie erreichte während der vergangenen Handelswoche bei 351,24 USD ein neues Allzeithoch.
Noch besser entwickelte sich die Bank of America (WKN: 858388 | ISIN: US0605051046 | Ticker-Symbol: NCB). Die Aktie gewann auf Wochensicht rund 2 %. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus etwa 9,5 %, innerhalb von zwölf Monaten stieg der Kurs um knapp 30 %. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 430 Mrd. USD bleibt Bank of America die zweitwertvollste börsennotierte US-Bank. Der Nettogewinn erreichte 9,1 Mrd. USD. Die Handelsumsätze stiegen um 33 % auf den Rekordwert von 7,1 Mrd. USD.
Goldman Sachs (WKN: 920332 | ISIN: US38141G1040 | Ticker-Symbol: GOS) legte trotz deutlicher Gewinnmitnahmen am Freitag auf Wochensicht rund 1 % zu. Die Bank meldete einen Nettogewinn von 6,63 Mrd. USD und einen Gewinn je Aktie von 20,98 USD. Auch diese Aktie markierte während der Woche ein neues Allzeithoch.
Morgan Stanley (WKN: 885836 | ISIN: US6174464486 | Ticker-Symbol: DWD) erreichte zunächst ebenfalls einen Rekordstand, beendete die Woche jedoch rund 3 % schwächer. Citigroup (WKN: A1H92V | ISIN: US1729674242 | Ticker-Symbol: TRVC) verlor sogar mehr als 8 %, da höhere erwartete Kosten die guten Geschäftszahlen überschatteten.
Ausblick
Diese Woche beginnt, wie die letzte Handelswoche geendet hat, und zeigt damit ein gemischtes Bild. Operativ befinden sich die US-Großbanken in starker Verfassung. Steigende Ölpreise über 80 USD, geopolitische Risiken und hohe Bewertungen könnten die weitere Kursentwicklung in den kommenden Wochen jedoch wieder volatiler gestalten, wenn die Inflationsrisiken steigen und damit höhere Zentralbankzinsen an den Finanzmärkten eingepreist werden sollten.