18.09.2026 | 05:45
Steigender Druck, Rettung vor Insolvenz und Phasensprung – BayWa, Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Lahontan Gold, Realty Income
Steigende globale Zentralbankzinsen, operative Fortschritte und eine harte Sanierung verändern derzeit die Perspektiven von Unternehmen und ganzen Branchen. Genau in solchen Phasen trennt sich an der Börse echte Substanz mit Chance von Hoffnung mit zu hohem Risiko. Der folgende Kommentar zeigt, wie geldpolitischer Druck, strategische Weichenstellungen und bilanzieller Sanierungszwang die Bewertung einzelner Titel neu anpassen. Wer verstehen will, wo jetzt noch mehr Belastung droht und wo Neubewertungen möglich werden, sollte weiterlesen.
Lesezeit: ca.
8 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
US46625H1005 , US38141G1040 , US7561091049 , CA50732M1014 , DE0005194005
Fed hebt Zinsen auf 4 %: Warshs Warnung schickt Banken und S&P 500 auf Talfahrt
Die Zinserhöhung war erwartet worden, doch Kevin Warshs Botschaft traf die Märkte mit voller Wucht. Die US-Notenbank Fed hob ihre Zielspanne am 16. September einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 % an. Es war die erste Erhöhung seit Juli 2023. Der S&P 500 rutschte anschließend intraday von rund 7.615 auf zeitweise 7.519 Punkte ab, konnte sich aber im Laufe des gestrigen Tages wieder auf 7.630 Punkte erholen.
Warsh begründete den Schritt nicht mit einer schwachen, sondern mit einer widerstandsfähigen US-Wirtschaft. Konsum, Investitionen und Arbeitsmarkt zeigten Stärke. Zugleich seien die finanziellen Bedingungen kaum als restriktiv zu bezeichnen. Die Fed habe deshalb eine „Dosis geldpolitischer Lockerung“ entfernt. Noch bedeutsamer war seine Inflationswarnung: Die Teuerung sei zu hoch und das bereits seit zu langer Zeit. Die Sommerdaten zeigten keine bedeutende Verbesserung des zugrunde liegenden Trends. Sein Maßstab – die Inflation müsse sich klar und mit ausreichender Geschwindigkeit auf das 2 %-Ziel zubewegen – sei nicht erfüllt. Der Schwerpunkt der Fed liegt damit eindeutig auf Preisstabilität.
Warsh vermied dennoch jede feste Zusage für weitere Zinsschritte. Die Projektionen sprechen allerdings eine klare Sprache: Der mediane Leitzins liegt Ende 2026 und Ende 2027 bei jeweils 4,1 %. Das 2 %-Inflationsziel soll erst 2029 wieder erreicht werden. Auch der Markt rechnet mit weiteren Erhöhungen. Für das nächste Treffen am 28. Oktober zeigt das CME FedWatch-Tool ungefähr ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Stillhalten und einer weiteren Anhebung. Bis zum Meeting am 9. Dezember beträgt die Wahrscheinlichkeit für unveränderte 3,75 bis 4,00 % aber nur 11,5 %. Mit 49,5 % wird eine Erhöhung auf 4,00 bis 4,25 % eingepreist, mit 39,0 % sogar ein Anstieg auf 4,25 bis 4,50 %. Zusammengerechnet sieht der Markt damit eine Wahrscheinlichkeit von 88,5 % für mindestens eine weitere Anhebung bis Dezember. Erwartungen für Ende 2027 deuten gegenüber dem heutigen Niveau ebenfalls auf höhere Zinsen, sind über diesen langen Zeitraum jedoch besonders unsicher.
Der Dollarindex sprang auf 100,33 Punkte, während zehnjährige US-Staatsanleihen rund 5,02 % und 30-jährige Papiere 5,36 % rentierten. Auch Gold drehte nach der Fed-Entscheidung deutlich nach unten: Der Spotpreis verlor mehr als 1 % und fiel zeitweise auf rund 4.240 USD je Unze, doch die Rücksetzer wurden unmittelbar aufgekauft und die Unze Gold kostet nun wieder 4.325 USD. Besonders auffällig war der Ausverkauf bei Finanzwerten. JPMorgan Chase (WKN: 850628 | ISIN: US46625H1005 | Ticker: CMC) verlor 1,01 %, Bank of America (WKN: 858388 | ISIN: US0605051046 | Ticker: NCB) 2,72 % und Goldman Sachs (WKN: 920332 | ISIN: US38141G1040 | Ticker: GOS) 3,96 %. Höhere Zinsmargen helfen zwar, doch schwächere Kreditnachfrage, steigende Ausfallrisiken und Verluste in Anleihebeständen belasten.
Bei Realty Income (WKN: 899744 | ISIN: US7561091049 | Ticker: RY6) steigen zugleich Refinanzierungs- und Bewertungsrisiken. Das gilt ebenso für andere Immobiliengesellschaften, hochverschuldete Unternehmen und hoch bewertete Wachstumsaktien. Deutschland bleibt indirekt betroffen: Höhere US-Renditen können die europäischen Finanzierungskosten zusätzlich antreiben und damit die Folgen der jüngsten EZB-Anhebung verschärfen.
Lahontan Gold vor dem Sprung in die nächste Phase
Der Goldsektor bewegt sich 2026 in einem widersprüchlichen, für Explorer- und Projektentwickler aber weiterhin sehr attraktiven Umfeld. Die hohen Zinsen bremsen zwar klassisch die Attraktivität zinsloser und dividendenloser Aktiengesellschaften, zugleich stützen Inflationssorgen, geopolitische Unsicherheit und der Bedarf an realen Sachwerten das hohe Preisniveau. Für Lahontan Gold (WKN: A3DKKY | ISIN: CA50732M1014 | Ticker-Symbol: Y2F) ist dies ein günstiges Zeitfenster, um den Übergang vom Goldexplorer zum Minenentwickler glaubhaft zu untermauern. Im Zentrum steht das Santa-Fe-Projekt in Nevada, das von einer reinen Ressourcen- und Explorationsgeschichte hin zu einem operativ planbaren Vorhaben reift. Entscheidend ist bei diesem Projekt weniger die kurzfristige Goldpreisphantasie als die Frage, ob Goldvorkommen, Goldgehalt, Infrastruktur und die nötige Finanzierung zu einem kalkulierbaren Minenaufbau und Goldabbau zusammengefügt werden können.
Die im August aktualisierte Ressourcenschätzung liefert dafür bereits ein starkes Fundament. Lahontan weist für Santa Fe nun angezeigte Mineralressourcen von 1,195 Mio. Unzen Goldäquivalent sowie abgeleitete Mineralressourcen von 1,19 Mio. Unzen aus. Des Weiteren plant das Unternehmen, die Goldproduktion bis Ende 2027 aufzunehmen. Besonders relevant ist, dass das Santa-Fe-Projekt in der Vergangenheit bereits in Produktion war und als Tagebau mit Haufenlaugung betrieben wurde. Für Investoren gibt das mehr Sicherheit, dass die Produktionsaufnahme wieder profitabel gestaltet werden kann, ersetzt aber noch keine Wirtschaftlichkeitsrechnung (PEA). Erst die aktualisierte PEA muss zeigen, ob die Ressourcenausweitung auch zu kalkulierbaren Eigenkapitalrenditen führen kann. Dass Lahontan neben dem Oxidmaterial inzwischen auch goldhaltige Sulfide systematisch einbezieht, erweitert den Spielraum der Goldproduktion, erhöht aber zugleich die Anforderungen an das Prozessdesign und die Kapitaldisziplin.
Zusätzliche Qualität gewinnt die Story durch die jüngst vereinbarte Übernahme von Emergent Metals. Damit sichert sich Lahontan nach eigenen Angaben 100 % am West-Santa-Fe-Projekt. Zudem werden bestehende Royalties auf West Santa Fe und die York-Claims beseitigt und es wird das regionale Landpaket in Nevadas Walker Lane auf mehr als 93 Quadratkilometer erweitert. Aus ökonomischer Sicht ist das mehr als nur Flächenkonsolidierung: Es entfallen künftige Zahlungsabflüsse von rund 1,73 Mio. USD, ca. 2 Mio. bereits ausgegebene Lahontan-Aktien kehren zum Unternehmen zurück und mit dem New-York-Canyon-Projekt kommt ein angrenzendes Explorationsgebiet noch hinzu. Die Gegenleistung fällt mit einem impliziten Anteil von nur 4,7 % am kombinierten Unternehmen für Emergent-Aktionäre moderat aus, was auf eine vergleichsweise aktionärsschonende Transaktion hindeutet. Strategisch stärkt diese Transaktion die Stellung von Lahontan Gold und dem Santa-Fe-Projekt und verbessert das Explorations- und Entwicklungspotenzial in dem arrondierten Gebiet.
Neu hinzu kommt ein operativer Aspekt, der für den Projektwert nicht zu unterschätzen ist: Auf Heap Leach Pad Two (HLP Two) meldete Lahontan aus den ersten zehn Sonic-Bohrungen unter anderem 16,5 Meter mit 2,72 g/t Gold und 2,8 g/t Silber; der bislang gewichtete Durchschnitt aller Proben liegt bei 0,50 g/t Gold und 3,3 g/t Silber beziehungsweise 0,54 g/t Goldäquivalent. Das liegt deutlich über dem erwarteten Restgehalt des historischen Haldenmaterials von etwa 0,32 g/t Goldäquivalenten. Das deutet darauf hin, dass eine Wiederaufbereitung der alten Haufenlaugungsflächen wirtschaftlich viel interessanter sein könnte als bislang angenommen. Für das Santa-Fe-Projekt wäre das strategisch bedeutsam, weil zusätzliches, bereits abgebautes Material mit potenziell konventioneller Cyanidlaugung verarbeitet werden könnte und damit ein früherer Deckungsbeitrag durch Goldverkäufe denkbar wird.
An der Börse wird dieser Fortschritt bisher fast gar nicht reflektiert. Auf Schlusskursbasis vom 16. September lag Lahontan bei 0,365 CAD, die Marktkapitalisierung bei rund 160 Mio. CAD und die Aktienzahl bei 432,5 Mio. Stück. Gemessen an der gewachsenen Mineralressourcenbasis, der vorhandenen Infrastruktur und der fortschreitenden Bereinigung der Eigentums- und Royalty-Struktur wirkt die aktuelle Bewertung sehr attraktiv. Sie bleibt aber an drei Bedingungen geknüpft: belastbare behördliche Genehmigungen, eine tragfähige Projektfinanzierung und die Bestätigung der Minenwirtschaftlichkeit in der kommenden PEA. Genau dort liegt das Chancen-Risiko-Profil: Gelingt der Nachweis einer finanzierbaren Projektfinanzierung, dürfte der Markt Lahontan stärker als künftigen Produzenten und weniger als klassischen Explorer bewerten. Wer darauf setzen will, sollte die aktuelle Konsolidierungsphase der Aktie nutzen, die seit März 2026 zwischen 0,30 CAD und 0,44 CAD schwankt.
BayWa vor der Rettung – doch für Anleger wird es jetzt richtig bitter
Die Aktie von BayWa (WKN: 519400 | ISIN: DE0005194005 | Ticker: BYW) steht erneut im Mittelpunkt. Der angeschlagene Agrar-, Energie- und Baustoffkonzern hat bei seiner Sanierung einen wichtigen Durchbruch erzielt. Fast alle Finanzierungspartner unterstützen inzwischen den neuen Rettungsplan. Doch die Einigung hat einen hohen Preis: Den Besitzern der BayWa-Hybridanleihe droht ein nahezu vollständiger Verlust. Nach Angaben des Münchner Konzerns haben 267 von 268 erforderlichen Finanzierungspartnern dem sogenannten Term Sheet zugestimmt. Zusammen vertreten sie rund 99,98 % der betroffenen Finanzverbindlichkeiten. Lediglich ein kleiner Gläubiger fehlt noch. BayWa erwartet allerdings, auch mit diesem kurzfristig eine Einigung zu erzielen.
Besonders hart trifft es die Inhaber der 2023 ausgegebenen BayWa-Hybridanleihe (WKN: A351PD | ISIN: DE000A351PD9). Das Papier besitzt ein Volumen von 100 Mio. EUR und trägt einen Kupon von 7,75 %. Nach der neuen Meldung stürzte der Kurs an der Frankfurter Börse zeitweise auf lediglich 3,655 % des Nennwerts. Je 1.000 EUR rechnerischem Nennwert waren die Papiere damit nur noch rund 36,55 EUR wert. Zuvor hatte der Kurs bei etwa 29 % gelegen – ein Einbruch von rund 87 %. Allerdings ist die Anleihe wenig liquide, weshalb die Kurse an einzelnen Börsenplätzen erheblich voneinander abweichen können.
Der Markt preist dennoch einen fast vollständigen Ausfall ein. Nach dem aktuellen Sanierungsplan sollen die Gläubiger nahezu vollständig auf den Nominalbetrag und vollständig auf die aufgelaufenen Zinsen verzichten – offenbar ohne entsprechende Entschädigung. Der drastische Schritt zeigt, wie ernst die Lage weiterhin ist. BayWa leidet unter einer milliardenschweren Verschuldung. Eine kostspielige internationale Expansion, hohe Zinsbelastungen und Probleme bei der Ökostromtochter BayWa r. e. hatten das ursprüngliche Sanierungskonzept ins Wanken gebracht. Der Rettungszeitraum wurde deshalb bis Ende 2030 verlängert.
Auch die Großaktionäre müssen Opfer bringen. Ihre Beteiligung von rund 67 % soll vorübergehend an einen Treuhänder übertragen werden. Erst wenn bis 2029 mindestens 220 Mio. EUR für eine Kapitalerhöhung bereitgestellt werden, könnten sie die Aktien zurückerhalten. Zudem sollen Banken bis zu 700 Mio. EUR an Verbindlichkeiten in nachrangige Finanzinstrumente umwandeln. An der Börse ist die Krise längst sichtbar. Die BayWa-Stammaktie notierte zuletzt bei 8,50 EUR und kommt nur noch auf einen Börsenwert von rund 261,14 Mio. EUR. Seit Jahresbeginn beträgt der Verlust 47,53 %. Innerhalb eines Jahres brach der Kurs sogar um 55,15 % ein.
Auch der Chart bleibt bedenklich. Die Aktie notiert unter ihren wichtigen gleitenden Durchschnitten und befindet sich damit weiterhin in einem klaren Abwärtstrend. Erst eine nachhaltige Rückkehr über 10 EUR könnte das kurzfristige Bild etwas aufhellen. Für Aktionäre bleibt die Nachricht zweischneidig: Die Insolvenzgefahr könnte sinken, doch mögliche Kapitalerhöhungen drohen, bestehende Beteiligungen erheblich zu verwässern. Bis eine verbindliche Sanierungsvereinbarung vorliegt, bleibt die BayWa-Aktie eine hochriskante Wette auf eine erfolgreiche Rettung.
Zusammenfassung
JPMorgan Chase gerät wie andere US-Banken unter Druck, weil höhere Zinsen zwar die Marge stützen, zugleich aber Kreditnachfrage, Anleihenbewertungen und Ausfallrisiken belasten.
Lahontan Gold gewinnt mit Santa Fe, der Emergent-Übernahme und starken Ergebnissen aus den Haldenbohrungen immer mehr an Substanz, muss aber als Nächstes bei der PEA überzeugend liefern.
BayWa steht vor einer möglichen Rettung, doch die Sanierung bleibt für Aktionäre und Anleihegläubiger schmerzhaft, weil hohe Verwässerung und erhebliche Verlustrisiken drohen.