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16.08.2022 | 05:45

Stimmungswechsel beachten – Almonty Industries, Plug Power, TUI

  • Almonty Industries
  • Plug Power
  • TUI AG
Bildquelle: pixabay.com

Immobilieneigentümern brachten die letzten 17 Jahre der Niedrigzinsphase hohe Buchgewinne ihrer vermieteten und selbstgenutzten Wohnobjekte. Doch mit dem Tiefpunkt der Zinsen im März 2020 und dem Anstieg der Refinanzierungssätze in den letzten zwei Jahren wurde der 40 Jahre andauernde Zinsverfall abgeschlossen und eine Trendwende eingeleitet. An überhitzten Standorten fallen bereits die Immobilienpreise und wer jetzt nicht zeitnah seine Vermögen umschichtet, wird die Buchgewinne seiner Immobilien dahinschmelzen sehen. Eine Investition in Aktien könnte daher sinnvoll sein, zumindest wenn auch hier ein genauso langfristiger Horizont mitgebracht wird, wie im Immobiliensektor.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203981034 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , TUI AG NA O.N. | DE000TUAG000


 

Es geht voran bei Almonty Industries

Das Rohstoffunternehmen Almonty Industries (WKN: A1JSSD ISIN: CA0203981034 Symbol: ALI) gehört zu den wichtigen Lieferanten von Wolframerzen. Mit zwei Wolframminen in Spanien und Portugal ist das Unternehmen gerade für die europäische Wolframnachfrage sehr wichtig. Doch die Nachfrage nach dem guten Wärme- und Stromleiter wie auch Basismaterial zur Härtung von Stahl kann alleine durch die beiden Minen nicht im Ansatz gedeckt werden. Ein Großteil des weltweiten Angebots kommt daher nach wie vor aus China. Doch langsam wird immer mehr Abnehmern von Wolfram und anderen Rohstoffen klar, dass die Abhängigkeit von China in den letzten 20 Jahren der Globalisierung stark gewachsen ist. Mit der kürzlichen Nancy Pelosi Provokation der USA im China-Taiwan-Konflikt, wird aber immer mehr Wirtschaftsunternehmen wie auch Politikern klar, dass ein Boykott Chinas aufgrund der Abhängigkeiten um mehrere Dimensionen größere Auswirkungen hätte, als dies bereits mit den Russland-Sanktionen der Fall ist.

Um zu wachsen und auch die Nachfrage nach Wolfram außerhalb Chinas bedienen zu können, hat Almonty Industries die alte Wolfram-Mine Sangdong in Südkorea übernommen und baut hier die Produktionskapazitäten wieder auf und aus. Diese Erweiterung wird u.a. von der in Frankfurt ansässigen KfW-IBEX Bank mitfinanziert. Die Bank stellt dem Unternehmen Kreditlinien von 75,1 Mio. USD zur Verfügung, wovon die ersten 12,82 Mio. USD Ende Juli an das Unternehmen ausgezahlt worden sind. Die nächsten 4,84 Mio. USD will die Bank in den kommenden Tagen Almonty zur Verfügung stellen. Doch nicht nur Wolfram befindet sich in der Sangdong-Mine, sondern auch Molybdänvorkommen weisen die dortigen Erze aus. Die Mineralressourcenschätzung beläuft sich auf 0,26%iges Molybdänsulfid bei knapp 22 Millionen Tonnen Gestein.

TUI AG profitiert bisher vom Trendwechsel

Seit Mitte Juli haben die Aktienmärkte und die Marktteilnehmer ihre „Bärenkappe“ ab und ihre „Bullenkappe“ wieder aufgesetzt. Davon profitierte auch die arg gebeutelte Aktie der TUI AG. Diese markierte zum 15. Juli 2022 ihr Zweijahrestief bei 1,42 EUR je Aktie und konnte sich seitdem wieder erholen. Auf 1,82 EUR kletterte die Aktie zuletzt und stieg damit innerhalb eines Monats um 28% an. Ob es hier zu mehr reicht, wird sich zeigen müssen, aber die Deutsche Bank ist dabei nicht ganz so optimistisch. Diese senkte zuletzt ihr altes Kursziel von 3,30 EUR auf 1,90 EUR je Anteilsschein, bestätigte aber zumindest ihr „Hold“-Rating.

Deutsche Bank Analyst Andre Juillard findet das Buchungsvolumina von 90% des „Vor-Lockdown-Niveaus“ gut, sieht aber auch den Cashflow für die kommende Herbst- und Wintersaison als Belastung an. Hier könnten die Bilanzkennzahlen wieder unter Druck geraten, gerade unter dem Blickwinkel einer möglichen Rezession in Europa. Sollte diese sich manifestieren, dürfte der Konzern aus Hannover erneut Kapital benötigen und die bestehenden Aktionäre weiter durch eine nächste Kapitalerhöhung verwässern.

Plug Power und die „Klimarettung“

Auch wenn „das Klima“ nur der Durchschnitt des Wetters der letzten 30 Jahre umfasst und damit nur eine statistische Kenngröße ist, wird die Rettung selbiger Kenngröße von den Medien und der Politik in den letzten Jahren extrem gehypt. Durch den politischen Umschwenk weg von fossilen Energieträgern hin zu Erneuerbaren Energien profitieren aber neue Wirtschaftszweige von dieser Entwicklung. Plug Power ist eines der Unternehmen, die in dem Marktsegment der Elektrolyseure und des Wasserstoffes davon profitieren. Selbst Bill Gates äußerte sich am Wochenende indirekt zur Wasserstoffindustrie über seinen Twitter Zugang. Dort schrieb er zum „Inflation Reduction Act“ der USA, dass dies ein „klares Beispiel“ zur „serösen Klimarettung“ wäre.

Auch PlugPower CEO Andy Marsh sagte im letzten Konferenztelefonat, dass die neue US-Förderung ein „Gamechanger“ für den Sektor und damit auch für Plug Power sei. Mit 369 Mrd. USD will die USA den erneuerbaren Energiebereich fördern. Davon wird sich Plug Power in den nächsten Jahren einen Teil sichern wollen. Bereits bis Jahresende will das Unternehmen seinen Umsatz zum Vorjahr um 80% übertreffen und diesen auf bis zu 925 Mio. USD steigern. Der Auftragsbestand liegt aber bereits jetzt mit 1,5 GW um 50% höher als die veranschlagten 1 GW für 2022.


Die aufgebauten Abhängigkeiten der Globalisierungspolitik der letzten 30 Jahre von Osteuropa und China sind enorm. Daher sind gerade Unternehmen interessant, die von diesem eingeläuteten Trendwechsel profitieren und diese Abhängigkeitsverhältnisse verringern. Gleiches gilt auch für das Segment der Erneuerbaren Energien und den neuen "Inflation Reduction Act".


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