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07.09.2026 | 05:45

Strategische Rohstoffe im Visier: Wo jetzt die größten Chancen lauern - Glencore, Power Metallic Mines, Standard Lithium

  • Glencore
  • Power Metallic Mines
  • Standard Lithium
Bildquelle: Pixabay

Die globalen Rohstoffmärkte befinden sich in einem fundamentalen Wandel. Die geopolitische Neuordnung der Lieferketten und der immense Bedarf der weltweiten Energiewende zwingen Industriestaaten zur Sicherung strategischer Ressourcen. Für weitsichtige Anleger eröffnen sich in diesem volatilen Umfeld hochspannende Gelegenheiten. Während etablierte Giganten mit Rekordgewinnen glänzen, arbeiten ambitionierte Pioniere an der Erschließung neuer Schlüsselvorkommen oder sichern sich bereits jetzt milliardenschwere Abnahmeverträge für die Zukunft. Die aktuellen Entwicklungen zeigen bereits, wo sich die Spreu vom Weizen trennt.

Lesezeit: ca. 6 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: JE00B4T3BW64 , CA73929R1055 , CA8536061010


 

Glencore-Aktie: 110 % Kursplus – Kann der Gewinnsprung die Rally weiter antreiben?

Die Aktie von Glencore (WKN: A1JAGV | ISIN: JE00B4T3BW64 | Ticker: GLEN) notierte am Freitag bei 601,00 GBX (7,01 EUR). Seit Jahresbeginn legte das Papier um 46,53 % zu und innerhalb eines Jahres beträgt das Plus sogar 109,84 %. Der Börsenwert des Rohstoff- und Bergbau-Konzerns ist dadurch auf rund 70,39 Mrd. GBP gestiegen. Nach dem starken Anstieg bewegt sich die Aktie nur knapp unter dem im Juni erreichten Hoch von 621,5 GBX. Rückenwind liefern deutlich gestiegene Rohstoffpreise und starke Halbjahreszahlen.

Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte Glencore den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 49 % auf 174,43 Mrd. USD. Das bereinigte EBITDA sprang um 86 % auf 10,12 Mrd. USD. Unter dem Strich stand ein den Aktionären zurechenbarer Gewinn von 4,41 Mrd. USD. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Verlust von 655 Mio. USD verbucht. Besonders stark entwickelte sich das globale Handelsgeschäft. Das bereinigte EBIT der Vermarktungssparte erhöhte sich um 142 % auf 3,3 Mrd. USD.

Glencore profitierte dabei von höheren Preisen für zentrale Rohstoffe sowie von starken Schwankungen an den Energie-, Fracht- und Möbelmärkten. Der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft nahm um 158 % auf 8,1 Mrd. USD zu. Gleichzeitig sank die Nettoverschuldung im ersten Halbjahr um rund eine Milliarde USD. Insgesamt hat das Unternehmen für 2026 Ausschüttungen und Aktienrückkäufe von rund 3,5 Mrd. USD angekündigt.

Bei der Produktion zeigte sich allerdings ein gemischtes Bild. Die eigene Kupferförderung stieg um 15 % auf 397.000 Tonnen. Dagegen sank die Kobaltproduktion um 46 %, während bei Zink ein Rückgang von 21 % und bei Steinkohle ein Minus von 14 % gemeldet wurde. Die Jahresprognosen für Kupfer, Zink und Nickel bestätigte das Management dennoch. Bis Ende 2028 soll die annualisierte Kupferproduktion rund eine Million Tonnen erreichen. Damit könnte Glencore stärker von der langfristig wachsenden Nachfrage nach Stromnetzen, Rechenzentren und erneuerbaren Energien profitieren.

Ein Risiko bleibt der Konflikt mit dem angeschlagenen Eisenerzhändler Radiant World. Dieser droht Glencore mit Forderungen von mehr als 1,4 Mrd. USD. Glencore weist die Vorwürfe zurück und erklärt, das eigene Risiko liege deutlich unter 500 Mio. USD. Medienberichten zufolge soll bereits eine Rückstellung von rund 480 Mio. USD gebildet worden sein. Der Streit zeigt dennoch die Gegenparteirisiken der umfangreichen Handelsgeschäfte des Schweizer Unternehmens.

Charttechnisch bleibt das Bild klar positiv. Bei 601,00 GBX liegt die Aktie über dem GD50 bei 547,10 GBX, dem GD100 bei 558,20 GBX und dem GD200 bei 513,80 GBX. GD steht für gleitenden Durchschnitt, auf Englisch Simple Moving Average (SMA). Damit bleibt die Aktie aus technischer Sicht trotz des starken Preisanstiegs gut unterstützt. Kurzfristig bildet der Bereich zwischen 610 und 620 GBX den wichtigsten Widerstand. Ein Ausbruch darüber könnte die Rally fortsetzen.

Power Metallic Mines vor wegweisendem Meilenstein

Die geopolitische Neuordnung der globalen Lieferketten zwingt die westlichen Industriestaaten, eine strategische Vorratshaltung kritischer Metalle aufzubauen. Vor allem Kupfer und Nickel sind für die fortlaufende Elektrifizierung unverzichtbar, was die Nachfrage langfristig stützt. In diesem Umfeld hat sich das Explorationsunternehmen Power Metallic Mines (WKN: A40S32 | ISIN: CA73929R1055 | Ticker IVVI) mit seinem 330 Quadratkilometer großen Nisk-Projekt im kanadischen Québec als künftiger Schlüsselakteur für die Rohstoffversorgung positioniert. Ein Joint Venture in Saudi-Arabien im Jabal-Sayid-Gürtel diversifiziert das Portfolio zudem.

Neben der geopolitisch sicheren Lage bietet das kanadische Kernprojekt durch die unmittelbare Anbindung an ein Umspannwerk von Hydro-Québec einen enormen infrastrukturellen Standortvorteil. Operativ konzentrieren sich die Kanadier derzeit auf die hochgradige Lion-Zone des Areals. Jüngste Bohrergebnisse wie im Loch 26-116 demonstrieren mit 36,42 Metern bei 2,83 % Kupferäquivalent (CuEq) die geologische Klasse. Dieser Abschnitt enthält einen hochgradigen Kern von 6,00 Metern mit spektakulären 12,38 % CuEq. Das polymetallische System enthält neben Kupfer auch gefragte Batteriemetalle wie Nickel, Platin, Palladium und Kobalt, was die wirtschaftliche Attraktivität des Projektes deutlich erhöht. Das sehen auch renommierte Branchengrößen wie Robert Friedland und Gina Rinehart so und haben in das Unternehmen bereits investiert, was wiederum das langfristige Potenzial der dortigen Rohstoffvorkommen untermauert.

Um den operativen Übergang von der reinen Erkundung zur konkreten Projektentwicklung zu forcieren, hat das Unternehmen unlängst den erfahrenen Bergbauingenieur Christopher Beal als Vizepräsidenten für das operative Geschäft verpflichtet. Die finanzielle Basis für die nächsten Schritte ist durch eine im Juni 2026 abgeschlossene Kapitalmaßnahme über 28,2 Mio. CAD solide abgesichert. Der bekannte Rohstoffinvestor Eric Sprott nutzte diese Gelegenheit, um seine Position um 1,6 Mio. Anteilsscheine zu je 1,25 CAD auszubauen. Mit diesen Mitteln wird nun die erste kombinierte Ressourcenschätzung für die Zonen Lion und Nisk finanziert, die in Kürze veröffentlicht werden soll.

Diese anstehende Datenpublikation bildet das Fundament für eine erste wirtschaftliche Vorbewertung (PEA), welche die bisherigen Entdeckungen erstmals ökonomisch messbar machen wird. Parallel dazu treiben fünf aktive Bohrgeräte die Exploration weiter voran, um das Ausmaß der Lagerstätte zu vergrößern. Beim aktuellen Aktienkurs von etwa 1,53 CAD (0,93 EUR) bietet der Titel im Vergleich zum Analysten-Kursziel von GBC-Research, das bei 3,00 CAD (1,87 EUR) liegt, erhebliches Aufwärtspotenzial. Sollte die anstehende Ressourcenschätzung die hochgradigen Bohrtreffer der vergangenen Monate im vollen Umfang berücksichtigen, dürfte die Aktie vor einer nachhaltigen Neubewertung durch den Markt stehen.

Standard-Lithium-Aktie: LG-Vertrag steht – warum fällt der Kurs trotzdem fast 50 %?

Die Aktie von Standard Lithium (WKN: A2DJQP | ISIN: CA8536061010 | Ticker: SLI) notierte am Freitag bei 2,40 USD, doch seit Jahresbeginn hat das Papier 46,50 % verloren, während sich das Minus innerhalb eines Jahres auf 15,55 % beläuft. Die Marktkapitalisierung des kanadischen Lithium-Entwicklers beträgt rund 818,09 Mio. CAD. Trotz wichtiger Fortschritte beim South-West-Arkansas-Projekt bleibt die Börse skeptisch. Selbst ein neuer langfristiger Liefervertrag mit LG Energy Solution konnte bislang keine nachhaltige Trendwende auslösen.

Am 31. August meldete Smackover Lithium, das Gemeinschaftsunternehmen von Standard Lithium und Equinor, einen bindenden Abnahmevertrag mit LG Energy Solution. Der südkoreanische Batteriehersteller will nach dem Beginn der kommerziellen Produktion zehn Jahre lang jährlich 8.000 Tonnen Lithiumcarbonat in Batteriequalität beziehen. Es handelt sich um einen Take-or-Pay-Vertrag. LG muss somit für die vereinbarte Menge bezahlen, auch wenn diese nicht vollständig abgenommen wird. Die konkreten Preise bleiben vertraulich, sollen aber die geplante Projektfinanzierung unterstützen.

Der Vertrag ergänzt eine ebenso bedeutende Vereinbarung mit dem Rohstoffhändler Trafigura. Damit sind insgesamt 16.000 Tonnen der geplanten Jahresproduktion vertraglich vergeben. Die erste Projektphase ist auf eine Kapazität von 22.500 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr ausgelegt. Die Partner wünschen rund 80 % dieser Produktion abzusichern. Etwa 90 % des angestrebten Abnahmevolumens sind nun erreicht. Standard Lithium hält 55 % an dem Gemeinschaftsunternehmen und bleibt Betreiber, während Equinor die übrigen 45 % besitzt.

Auch bei den Genehmigungen gab es Fortschritte. Die Umweltprüfung der US-Regierung wurde mit der Feststellung abgeschlossen, dass keine bedeutenden Umweltauswirkungen zu erwarten sind. Das war eine Voraussetzung für die bereits 2025 zugesagte Förderung des US-Energieministeriums über 225 Mio. USD. Zusätzlich haben drei Exportkreditagenturen Interesse an einer Projektfinanzierung von insgesamt mehr als einer Milliarde USD signalisiert. Dabei handelt es sich jedoch noch nicht um endgültig zugesagte Kredite.

Zum 30. Juni verfügte Standard Lithium über liquide Mittel von 137,3 Mio. USD und hatte keine klassischen Kreditlinien oder langfristigen Darlehen. Im ersten Halbjahr 2026 entstand ein Nettoverlust von 5,79 Mio. USD. Da das Unternehmen noch kein Lithium kommerziell produziert und keine entsprechenden Umsätze erzielt, bleibt es bis zum Produktionsstart auf vorhandene Liquidität und neue Finanzierungen angewiesen. Die endgültige Investitionsentscheidung soll noch 2026 fallen. Anschließend könnte der Bau beginnen, während die erste kommerzielle Produktion für 2029 vorgesehen ist.

Charttechnisch bleibt die Aktie angeschlagen. An der kanadischen TSXV notiert sie bei rund 3,32 CAD und damit unter dem GD20 bei 3,40 CAD sowie dem GD50 bei 3,38 CAD. Noch deutlicher ist der Abstand zum GD100 bei 4,27 CAD und zum GD200 bei 5,16 CAD. Erst ein stabiler Anstieg über die kurzfristigen Durchschnittslinien würde das Bild verbessern. Der LG-Vertrag senkt zwar das spätere Absatzrisiko, beseitigt aber weder Finanzierungs-, Bau- noch Lithium-Preisrisiken.

Zusammenfassung

Der breit aufgestellte Rohstoffriese Glencore profitiert operativ von hohen Preisen und einem starken Handelsgeschäft, sieht sich jedoch mit einem milliardenschweren Rechtsstreit konfrontiert.
Der aussichtsreiche Explorer Power Metallic Mines steht dank einer starken Kassenlage und hochgradiger Bohrergebnisse vor der Veröffentlichung einer wegweisenden ersten Ressourcenschätzung.
Trotz eines neuen langfristigen Abnahmevertrags mit LG bleibt der Kurs des Lithium-Entwicklers Standard Lithium aufgrund anhaltender Finanzierungs- und Marktrisiken unter Druck.



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