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07.03.2022 | 05:45

Technologiemetalle im Rüstungswettlauf – Defense Metals, Rheinmetall, Lynas Rare Earth Aktie

  • Rheinmetall
  • Lynas
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Bildquelle: pixabay.com

Seltene Erden (Rare Earth) oder auch Technologiemetalle genannt, werden mit dem Ukraine-Russland-Krieg wieder deutlich gefragter. Nicht nur die E-Mobilität und Energiewende, lässt die Nachfrage nach Hightech-Metallen immer stärker steigen. Auch die Rüstungsindustrie erhöht ihre Nachfrage, denn allein der von der Bundesregierung begonnenen Rüstungswettlauf mit 100 Mrd. EUR lässt die kurzfristige Nachfrage nach den seltenen Metallen noch einmal deutlich ansteigen. Um die Lieferabhängigkeit von China zu verringern und die wahrscheinlich ausfallenden künftigen Lieferungen aus Russland auszugleichen, müssen zwingend neue Vorkommen erschlossen werden. Zeit sich wieder mit Seltenen Erden auseinander zu setzen.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: RHEINMETALL AG | DE0007030009 , DEFENSE METALS CORP. | CA2446331035 , LYNAS CORP. LTD | AU000000LYC6


 

Defense Metals - Halbe Milliarde Wert

Defense Metals (WKN: A2PBZ4 ISIN: CA2446331035 Ticker: 35D) gehört zu den Seltene Erden Explorer in Nordamerika. Die Kanadier besitzen das rund 2.000 Hektar große Seltene Erden Projekt Wicheeda. Auf diesem Areal konnten bereits fünf Millionen Tonnen Mineralressourcen an Seltenen Erden ausgewiesen werden. Bei weiteren Bohrungen sollen die Mineralressourcen auf über 12 Millionen Tonnen ausgeweitet werden. Bisher ergaben Untersuchungen von Vorkonzentrierten Materialproben einen überdurchschnittlich hohen Anteil von 7,4% NdPR-Oxid (Neodym-Praseodym-Oxid). Neodym ist zwingend erforderlich, um Starkmagneten herstellen zu können. Diese werden benötigt für die Kernspintomographie, Kleinstmotoren und Festplatten, für Motoren in Windkraftanlagen aber auch für den Antrieb von Elektro- und Hybridfahrzeugen für die E-Mobilität in der Automobilindustrie.

Die Preise von Neodymoxid sind dabei in den letzten 24 Monaten, wie viele andere Rohstoffe auch, förmlich explodiert. Kostet das Kilogramm Neodymoxid im März 2020 noch ca. 55 EUR, werden im März 2022 bereits 244 EUR je Kilogramm bezahlt. Das spielt natürlich den wenigen Seltenen Erden Produzenten und Explorern in die Hände. Auch Defense Metals profitiert davon. Erst in der vergangenen Woche konnten wieder gute Bohrergebnisse veröffentlicht werden. Mit einem Anteil von 3,17% Seltenerdmetalloxid auf eine Länge von 196m von der Oberfläche an, konnte das Unternehmen hervorragend abliefern. Damit verbessert sich bereits jetzt die erst Anfang Januar 2022 herausgebrachte Vor-Machbarkeitsstudie in Form der NI 43-10. Diese ergab einen Kapitalwert (NPV) nach Steuern von 516,5 Mio. CAD und das bei einer jährlichen Abzinsung von 8% (Inflationsausgleich). Auch wenn eine Produktion der Seltenen Erden aus aktueller Sicht bei Defense Metals noch nicht absehbar ist, sollten Anleger die Aktie schon einmal beobachten.

Lynas Rare Earth ist lieferfähig

Knapp am Neun-Jahres-Hoch notieren derweil Lynas Rare Earth Aktien (WKN: 871899 ISIN: AU000000LYC6 Ticker: LYI). Der seit viele Monaten vorherrschende Rohstoffmangel verschärft sich durch den Ukraine-Krieg noch einmal. Die Sanktionspeitsche gegen Russland knallt längst zurück auf die deutsche Industrie. Das stellt grundsätzlich die Frage, ob es überhaupt eine Widerstandsfähigkeit westlicher Konzerne von Russland oder China überhaupt gibt bzw. geben kann. Zum Beispiel kommen ca. 85% der Seltenen Erden wie Neodym, Lanthan, Terbium oder Dysprosium aus China! Da der Konflikt zwischen Taiwan und China noch länger schwillt als zwischen der Ukraine und Russland, dürfte sich China genau anschauen, wie die „westlichen“ Staaten im Moment agieren und sich entsprechend vorbereiten. Aber ohne die seltenen Erdelemente wäre die PV- & Windkraft-Energiewende, die Elektromobilitätswende oder auch die Aufrüstung mit Hightech-Militärgeräten nicht denkbar. Um dieser Abhängigkeit zu entgehen, setzen viele Investoren auf das australische Bergbauunternehmen Lynas Rare Earth.

Die Australier sind neben der Mountain Pass Materials das einzige Unternehmen, das in einem nennenswerten Umfang Seltene Erden produzieren kann. Die meisten anderen Unternehmen aus dem Segment befinden sich noch im Frühstadium der Unternehmensentwicklung bzw. explorieren noch nach neuen Vorkommen. Da die Seltene Erde Preise deutlich gestiegen sind, sollte dies auch in der Bilanz von Lynas Rare Earth zu erkennen sein. Im letzten Halbjahr konnte der Umsatz zum Vorjahreshalbjahr von 202,5 Mio. AUD um 55% auf 314,8 Mio. AUD gesteigert werden. Der Gewinn sprang dabei von 40,6 Mio. AUD auf 156,9 Mio. AUD und stieg damit überproportional zum Umsatz um 286%. Das Unternehmen verfügt nun über eine kurzfristig verfügbare Liquidität von 674,2 Mio. AUS. Mit dieser Liquidität stellt das Unternehmen bis Sommer 2023 die Verarbeitungsanlage in Kalgoorlie, welche sich ca. 600 km östlich von der australischen Hafenstadt Perth befindet, fertig.

Rheinmetall – starker Wachstumsschmerz?

Nach der 180 Grad Kehrtwende der Bundesregierung im Ukraine-Krieg, wurde im selben Atemzug die Aufrüstung und Modernisierung der Bundeswehr angekündigt. 100 Milliarden EUR sollen kreditfinanziert das Missmanagement und Fehlplanungen der letzten Jahrzehnte übertünchen. Zukünftig sollen min. 2% des Bruttoinlandsproduktes als Haushalt für die Bundeswehr eingeplant werden. Kaum war der Plan der Bundesregierung verkündet, da hatte der CEO Armin Papperger auch schon die Antwort des Düsseldorfer Konzernes Rheinmetall parat. Rüstungsgüter in Höhe von 42 Mrd. EUR könnte der Konzern innerhalb von zwei Jahren liefern. Dafür müsste das Unternehmen nur von Einschicht- auf Mehrschichtbetrieb umstellen und sucht per sofort 3.000 neue Arbeitnehmer.

Innerhalb von 12 Monaten könnten dann militärische Fahrzeuge für die Logistik, binnen 18 Monaten Radfahrzeuge und innerhalb von 24 Monaten Kettenfahrzeuge (Panzer) geliefert werden. Wenn Rheinmetall Aufträge in diesem Umfang bekommen würde, wären die Auftragsbücher über Jahre ausgebucht. Der Aktienkurs schoss jedenfalls steil nach oben und konnte in der Spitze um knapp 80% zulegen. Doch genau bei den möglichen neuen Aufträgen in zweistelliger Milliardenhöhe liegt ein großes Problem. Bereits im letzten Quartal 2021 berichtete die Unternehmensführung zur Veröffentlichung im Februar 2022, dass die knappe Rohstoffversorgung zu einer Verspätung bei der Auslieferung führte. Es mangelt dabei nicht nur an Halbleitern und Chips, sondern auch die Rohstoffbeschaffung an Aluminium, Stahl, Silicium, … und die explodierenden Fracht- und Energiekosten führten bereits zu einer Verringerung der Margen. Um diese Problemstellungen vorerst wegzuwischen, erhöhte die Unternehmensführung die Dividende von 2,00 EUR auf 3,30 EUR. Das entspricht einer Dividendenrendite von 2,26% p.a..

Fazit

Mit dem 100 Mrd. EUR Paket der deutschen Bundesregierung hat das Wettrüsten in den europäischen Ländern begonnen. Den moralischen Bedenken gegenüberstehend, löst diese massive Ausgabenwelle auch eine deutliche Nachfrage nach Rohstoffen aus. Gerade im Hightech-Bereich geht ohne Seltene Erden fast gar nichts mehr und dieser Markt ist sehr eng. Während Rheinmetall als Rohstoffeinkäufer nun jeden Preis bezahlen muss, um die anstehenden Milliardenaufträge abwickeln zu können, können die Rohstoffproduzenten die entsprechenden Preise diktieren, denn das Angebot ist knapp und das ist trotz Zeitenwende immer noch preistreibend.


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