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23.05.2022 | 05:45

Überzeugungsarbeit wirkt - BP, TotalEnergies, Saturn Oil + Gas Aktie

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Bildquelle: pixabay.com

Die deutschen Erzeugerpreise sind im April um durchschnittlich 33,5% gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Ein Wert, den es seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland noch nicht gegeben hat. Bereits im März war der Wert auf 30,9% und im Februar bei 25,9% gelegen. Wieder einmal waren die Energiepreise die treibende Kraft bei der Steigerungsrate. Um sage und schreibe 87% sind diese zum April 2021 gestiegen. Kraftwerke für Erdgas sahen sich sogar einem Anstieg von 307% ausgesetzt und müssen nun viermal so viel bezahlen wie im letzten Jahr. Von diesen Preissteigerungen profitiert aber ein Sektor ganz besonders.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: BP PLC DL-_25 | GB0007980591 , TOTALENERGIES SE | FR0000120271 , Saturn Oil + Gas Inc. | CA80412L8832


 

Saturn Oil & Gas liefert endlich ab

Vor knapp einem Jahr ist das Erdölunternehmen Saturn Oil & Gas (WKN: A3C9X6 ISIN: CA80412L8832 Ticker: SMKA) zum größten Erdölunternehmen im kanadischen Bundesstaat Saskatchewan aufgestiegen. Doch der Kapitalmarkt hat dies bisher noch nicht sonderlich zur Kenntnis genommen, denn die Aktie steht nach wie vor auf dem Niveau vom letzten Jahr. Und dass, obwohl das Unternehmen mit der Übernahme des Oxbow-Erdölfeldes ein ganz anderes geworden ist. Doch so langsam lässt sich anhand der Unternehmenskennzahlen für Q1 2022 erkennen, was das Management seit einem Jahr predigte. Mittlerweile produziert das Unternehmen ca. 7.500 Barrel Öläquivalente (boe) am Tag und will bis zum Jahresende mittels weiterer Bohrungen die durchschnittliche Jahresproduktion auf 7.950 bis 8.350 boe am Tag hochfahren.

Durch die hohen Erdölpreise kommt Saturn Oil & Gas auch bei der Schuldenreduktion schneller voran als geplant. Die Nettoverschuldung konnte um 5,9 Mio. CAD auf 65,2 Mio. CAD zurückgeführt werden und das EBITDA erreichte im ersten Quartal 16,3 Mio. CAD. Würde das Unternehmen keinen Wachstumskurs verfolgen, wäre bei diesem Cashflow eine Schuldentilgung bereits bis Ende 2022 möglich, welche planmäßig aber erst in Q1 2024 erfolgt sein soll. Bis dahin hat sich auch das Hedgebuch des Unternehmens deutlich reduziert und sollte unter 4.000 boe am Tag gerutscht sein. Das würde bei aktuellen Ölpreisen den Cashflow weiter signifikant steigern, denn je weniger Öl zu festen Preisen von 50 – 60 USD je Barrel ausgeliefert werden muss, desto mehr kann zu 100-115 USD das Barrel am Markt verkauft werden.

TotalEnergies baut aus

Von den hohen Ölpreisen profitieren auch die Dividendenpapiere von Totalenergies (WKN: 850727 ISIN: FR0000120271 Ticker: TOTB). Die Aktie konnte erst letzte Woche mit 53,13 EUR ein neues Dreieinhalb-Jahres-Hoch erreichen. Im Moment notiert die Aktie mit 51,71 EUR nur leicht darunter. Der französische Energieriese gehört zu den Nutznießern des hohen Ölpreises und profitiert von den Sanktionen gegen Russland und den weltweiten Verwerfungen im Energiesektor. Auch geht die Erschließung des Ballymore-Projektes im Golf von Mexiko weiter voran. Zusammen mit Chevron, welche 60% an der Erdölplattform hält, entwickelt TotalEnergies über die Tochtergesellschaft TotalEnergies E&P USA (40% Anteil) das Ballymore-Feld für 1,6 Mrd. USD. In 2025 soll das erste Öl von der Plattform in die USA verkauft werden, mit dem Potential von mehr als 150 Mio. boe.

Aussteigen tut TotalEnergies dagegen beim nigerianischen Joint Venture mit der Nigerian National Petroleum Company (NNPC), Shell Petroleum Development Company (SPDC) und ENI. Die Franzosen haben die kanadische Scotiabank beauftragt, einen Käufer für den 10%igen Anteil zu finden. Insgesamt handelt es sich dabei um 13 Ölfelder in Nigeria sowie drei Flachwasser-Ölfelder mit einer Tagesproduktion von über 20.000 Barrel Öläquivalenten. Ebenfalls werden 3.500 km Pipelinenetz mit abgegeben. Hintergrund für den Rückzug sind die jahrelangen Sabotagen und Diebstähle bei den dortigen Produktionsanlagen sowie anhaltenden Gerichtsverfahren gegen das internationale Konsortium. Auch Shell sucht einen Käufer für seinen 30%igen Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen.

Aktienrückkauf bei BP

In der letzten Woche konnte die Aktie von British Petroleum BP (WKN: 850517 ISIN: GB0007980591 Ticker: BPE5) ein neues Zwei-Jahreshoch erreichen. Dabei notierte die Aktie mit 5,10 EUR zuletzt am 26.02.2020 vor dem Corona-Crash. Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich sprudeln die Einnahmen bei BP durch den hohen Ölpreis immer stärker. In Q1 2022 konnte der höchste Bruttogewinn seit Jahren erzielt werden. Der Bruttogewinn lag bei 9,07 Mrd. EUR und damit nur knapp halb so hoch wie der Bruttogewinn vom ganzen Jahr 2021. Bei Preisen von 113 USD je Barrel Öl sprudeln die Gewinne auch weiter und der Rückgang der Erdölbestände in den USA sorgt für weiter hohe Nachfrage nach dem schwarzen Gold.

Doch unterm Strich wurde das Quartal mit einem herben Verlust abgeschlossen. Das lag daran, dass die Unternehmensführung die Rosneft-Anteile komplett abgeschrieben haben. Insgesamt buchte BP eine Wertberichtigung von 25,5 Mrd. USD in das erste Quartal und das entspricht dem 19,5%-Anteil an der russischen Rosneft. Damit entstand ein Nettoverlust von 20,38 Mrd. USD. Ohne diese Abschreibung hätte der Konzern das Quartal mit einem sensationellen Betriebsergebnis von 7,18 Mrd. USD abschließen können. Die Quartalsdividende beträgt daher fürs kommende Quartal 5,46 Cent je Aktie und mit einem Aktienrückkaufprogramm von 2,5 Mrd. USD unterstützt das Unternehmen den weiteren Kursanstieg der Aktie.


Die Ölproduzenten verdienen im Moment sehr viel Geld, welches den Aktionären durch Ausschüttungen oder Aktienrückkaufprogramme wieder zur Verfügung gestellt wird. Das ist eine der wenigen Chancen, direkt von den hohen Energiepreisen zu profitieren, denn durch den Ukrainekonflikt, dürften die Preise für Erdöl und Erdgas weiterhin hoch bleiben. Das größte Kurspotential der vorgestellten Aktien dürfte im Moment aber die kanadische Saturn Oil & Gas Aktie aufweisen. An dieser Aktie ist der Zug der Investoren in den letzten Monaten vorbei gegangen, wohl auch deswegen, weil im Vergleich zu TotalEnergies und BP die Tagesproduktion von 7.500 Barrel am Tag noch verschwindend gering ist. Spannend dürfte es also für Investoren werden, wenn diese Diskrepanz bei der Kursentwicklung in den nächsten 12 Monaten abgebaut werden sollte, denn laut Analystenschätzungen müsste die Aktie um den Faktor 3 bis 4 höher stehen.


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