12.10.2026 | 05:42
Verbündete Rohstoffe und der Kampf um die Trendwende - adesso, Indus, Strategic Resources
Der Wettlauf um wettbewerbsfähige Technologien, strategische Rohstoffe und den richtigen Moment im Chart treibt unter anderem die Unternehmen wie auch die Investoren an. Während der eine Titel im heutigen Bericht nach monatelangem Kursverfall erstmals wieder die entscheidende Widerstandslinie anpeilt, muss ein anderer nach einer fulminanten Rally beweisen, dass sein Gewinnsprung mehr als nur ein Rohstoff-Sondereffekt ist. Und ein dritter Wert setzt, kaum beachtet, auf Vanadium für grünen Stahl und Schnellladebatterien. Ob Comeback, Bewährungsprobe oder auch stiller Hoffnungsträger, Chancen und Risiken müssen wohl abgewogen werden.
Lesezeit: ca. 6 Minuten.
Autor: Stefan Bode
ISIN: CA86277X4093 , DE000A0Z23Q5 , DE0006200108
adesso Aktie springt 6 %: Beginnt jetzt das Comeback?
Die Aktie von adesso setzt ihre Erholung der letzten Handelstage fort. Am Mittwoch, dem 7. Oktober, gewann das Papier auf Xetra 6,2 % und konnte bis Freitag weiter auf 64,10 EUR ansteigen. Damit liegt der Kurs wieder knapp über der wichtigen 200-Tage-Linie, die im Tageschart bei rund 62,20 EUR verläuft. Erstmals seit Januar 2026 ist der Aktienkurs dieser Linie wieder so nahegekommen. Nach dem deutlichen Kursverfall seit Jahresbeginn rückt damit eine mögliche Trendwende in den Blick. Operativ wächst der IT-Dienstleister weiter, muss dieses Wachstum aber noch in verlässlichere Gewinne und Mittelzuflüsse übersetzen.
Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 13 % auf 794,3 Mio. EUR, nahezu ausschließlich organisch. Das operative Ergebnis EBITDA legte um 21 % auf 45,8 Mio. EUR zu. Der Quartalsvergleich fällt allerdings schwächer aus: Im zweiten Vierteljahr sank das EBITDA gegenüber dem Vorjahr um 9 % auf 18,8 Mio. EUR. adesso verwies unter anderem auf die zunächst geringere Auslastung der eigenen Mitarbeiter.
Für das Gesamtjahr bestätigte der Vorstand im August 1,6 bis 1,7 Mrd. EUR Umsatz und 130 bis 150 Mio. EUR EBITDA. Rechnerisch müsste das zweite Halbjahr damit 84,2 bis 104,2 Mio. EUR EBITDA beitragen. Die Zielerreichung verlangt also eine deutliche Ergebnisbeschleunigung. Das Management setzt auf die seit Mitte des zweiten Quartals verbesserte Auslastung und zusätzliche Arbeitstage im zweiten Halbjahr.
Auch die Finanzierung des Wachstums bleibt relevant. Unter dem Strich stand nach sechs Monaten ein Konzernverlust von 7,2 Mio. EUR. Zusätzlich belasteten Wertberichtigungen auf den Firmenwert und die Softwareplattform von material.one das Ergebnis. Der operative Cashflow verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr, blieb mit minus 28,1 Mio. EUR aber negativ. Das Wachstum bindet somit weiterhin Kapital.
Im KI-Geschäft erweitert adesso sein Angebot. Mit der am 12. August angekündigten Übernahme von omni soll die Versicherungsplattform in|sure Ecosphere um automatisierte Schadenbearbeitung ergänzt werden. Einfache Fälle lassen sich vollständig automatisieren, bei komplexeren Vorgängen unterstützt die Technologie die Sachbearbeiter. Damit adressiert adesso konkrete Effizienzprobleme seiner Kunden. Für Anleger zählt, ob aus der Integration zusätzliche Produktumsätze und profitables Wachstum entstehen.
Im öffentlichen Sektor kam am 1. September ein weiterer Auftrag hinzu. Die Schweizer Tochter erhielt Zuschläge für die Neuausrichtung des Verwaltungsportals EasyGov. Die Rahmenverträge laufen über zwölf Jahre; die neue Plattform soll im Herbst 2027 starten. Umsatz und Ergebnis hängen von den tatsächlich abgerufenen Leistungen und dem Projektverlauf ab. Der Zuschlag stärkt damit die längerfristige Geschäftsperspektive, liefert aber keinen sofortigen Beleg für die Erfüllung der Jahresziele.
Charttechnisch hat sich die Ausgangslage etwas verbessert. Die Aktie notiert oberhalb der 20-, 50- und 100-Tage-SMA-Linien. Nun gilt es, die Zone zwischen 62 und 64 EUR nachhaltig zu überwinden, die in den vergangenen Monaten mehrfach als Widerstand fungierte. Entscheidend bleibt, ob der Aktie ein nachhaltiger Ausbruch über diese Widerstandszone und die darin verlaufende 200-Tage-Linie bei 62,20 EUR gelingt.
Die nächsten Quartalszahlen folgen erst am 11. November. Bis dahin bleibt noch reichlich Zeit für weitere Kursbewegungen. Besonders wichtig werden die Auslastung, der Ergebnisbeitrag und der operative Cashflow. Diese Kennzahlen entscheiden mit darüber, wie belastbar der jüngste Erholungsversuch ist.
Vanadium-Spezialist: Strategic Resources am Start einer grünen Stahlkette
Strategic Resources entwickelt Vorkommen an Vanadium, Titan und hochreinem Eisen (Vanadium-Titan-Magnetit, VTM). Mit einer Marktkapitalisierung von rund 13 Mio. CAD (circa 8,2 Mio. EUR) ist das Unternehmen klar im Segment der kleinen Nebenwerte (Micro Caps) angesiedelt – eine Marktenge, die bei Meldungen schon mal für deutliche Kurssprünge sorgen kann.
Derzeit wartet das Unternehmen auf die Antwort des Umweltministeriums von Québec, um den Genehmigungsprozess für die Weiterentwicklung der Pelletieranlage mit einer Kapazität von 4 Mio. Tonnen pro Jahr am Standort Port Saguenay weiter voranzubringen. Konkret geht es um die Erweiterung der bereits genehmigten Anlage von 1,5 auf 4 Mio. Tonnen Jahreskapazität. Der Standort profitiert von äußerst günstiger Wasserkraft zu nur 0,04 CAD je Kilowattstunde, was die operativen Kosten auf etwa 16 USD je Tonne drückt. Bei einem derzeit realisierbaren Marktpreis von 50 bis 55 USD je Tonne ist die Marge entsprechend auskömmlich. Der zehnjährige Abnahmevertrag mit Javelin Global Commodities schafft zudem eine verlässliche Basis für den Aufbau der Projektfinanzierung.
In Finnland arbeitet Strategic Resources zudem an der Reaktivierung der früheren Mustavaara-Mine mit einer Vanadium-Ressourcenbasis von rund 100 Mio. Tonnen. Am 23. Juni 2026 gab die Universität Oulu den Start des Forschungsprojekts „FutSteel“ mit einem Volumen von 17 Mio. EUR bekannt, an dem auch der schwedische Stahlkonzern SSAB beteiligt ist. Strategic Resources wurde ausgewählt, sein vanadiumreiches Magnetit-Konzentrat aus Mustavaara für die Erprobung einer wasserstoffbasierten Direktreduktion zu liefern – ein Baustein für fossilfreien Stahl im Elektrolichtbogenofen. Für die europäischen Lieferketten würde eine Wiederaufnahme der Vanadiumförderung die Abhängigkeit von Importen aus Drittstaaten spürbar senken.
Parallel verfolgt das Unternehmen mit dem Partner Tyfast Energy einen „Vom Erz zur Batterie“-Ansatz, um in Kanada eine geschlossene Wertschöpfungskette bis hin zur Lithium-Vanadium-Oxid-Anode (LVO) aufzubauen. Solche Speicher werden unter anderem im Schwerlast- und Verteidigungssektor benötigt und lassen sich in weniger als zehn Minuten laden, bei über 10.000 möglichen Ladezyklen. Die jüngste Kapitalmaßnahme über 10 Mio. CAD zu 0,25 CAD je Aktie sichert die laufenden Projekt- und Entwicklungskosten über das Jahr hinaus ab. Während die niedrige Bewertung die vorhandenen Vorkommen, die Mineninfrastruktur und die strategische Stellung des Projekts kaum widerspiegelt, bleibt ein typisches, nicht unerhebliches Chance-Risiko-Profil im Explorations- und Entwicklungssegment bestehen.
INDUS Aktie verliert 7 %: Kippt jetzt die Rally?
Die Aktie der INDUS Holding bekam nach ihrer Rally einen Dämpfer. Am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, verlor der Titel im Xetra-Handel 7,32 %, schloss den Tag bei 36,70 EUR und ging am Freitag leicht erholt mit 37,80 EUR ins Wochenende. Auslöser ist unter anderem eine Analystenabstufung. Nach dem Kursanstieg wächst damit der Druck auf die Beteiligungsgesellschaft, die hohen Erwartungen operativ zu rechtfertigen. Für Anleger geht es jetzt darum, wie nachhaltig die jüngsten Ergebnissteigerungen tatsächlich sind.
Das Analysehaus NuWays senkte die Empfehlung von „Kaufen“ auf „Halten“, bestätigte jedoch das Kursziel von 41,00 EUR. Die Begründung betrifft ausdrücklich die Bewertung. Nach einer Rally von rund 60 % seit Juli hatte die Aktie das Kursziel bereits erreicht. Die Analysten sehen den grundsätzlichen Investmentansatz weiterhin positiv. Der Rücksetzer folgt damit auf eine Neubewertung des verbleibenden Kurspotenzials. Für weitere Gewinne müssten sich die Geschäftsperspektiven stärker verbessern, als bislang in den Erwartungen berücksichtigt ist.
Die operative Entwicklung kann sich zunächst sehen lassen. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte INDUS den Umsatz um 15,4 % auf 965,2 Mio. EUR. Das bereinigte operative Ergebnis, gemessen am adjusted EBITA, stieg von 56,1 Mio. EUR auf 123,5 Mio. EUR. Die entsprechende Marge verbesserte sich von 6,7 % auf 12,8 %. Gleichzeitig legte der Auftragseingang um 22,5 % auf 1.104 Mio. EUR zu. Diese Zahlen zeigen, dass die Kursrally durchaus eine fundamentale Grundlage hatte.
Allerdings stammt ein wesentlicher Teil der Ergebnisdynamik aus einer außergewöhnlichen Rohstoffkonstellation. Im Segment Materials Solutions sorgen die angespannte Versorgung mit Wolframcarbid und stark gestiegene Materialpreise für zusätzliche Umsatz- und Ertragschancen. INDUS hielt die Lieferfähigkeit aufrecht und konnte weitere Aufträge gewinnen. Entscheidend ist nun, wie viel von dieser Profitabilität bei einer Normalisierung der Preise erhalten bleibt. Die Entwicklung der übrigen Beteiligungen gewinnt dadurch an Gewicht, denn ein dauerhaft tragfähiges Ergebnis braucht mehrere verlässliche Ertragsquellen.
Bereits am 29. Juli hob der Vorstand die Prognose für 2026 an. Erwartet werden 1,90 bis 2,10 Mrd. EUR Umsatz und ein adjusted EBITA von 220 bis 260 Mio. EUR. Der höhere Materialwert bindet jedoch zusätzliches Kapital in den Beständen. Im ersten Halbjahr fiel der Free Cashflow auf minus 36,9 Mio. EUR. Für das Gesamtjahr soll er mindestens ausgeglichen ausfallen. Der Gewinnanstieg muss sich deshalb auch in einer besseren Liquiditätsentwicklung niederschlagen, damit die Gruppe finanziellen Spielraum für weitere Investitionen behält.
Charttechnisch wird der Rücksetzer jetzt zur Bewährungsprobe. Die Aktie ist unter den kurzfristigen gleitenden 20-Tage-Durchschnitt bei rund 39,30 EUR gefallen und nähert sich der 50-Tage-Linie bei etwa 36,50 EUR. Hält diese Unterstützung, bleibt eine Stabilisierung möglich. Bei weiteren Verlusten rückt die Zone um 35,00 EUR in den Blick. Für eine deutliche Entspannung müsste die Aktie zunächst den Bereich zwischen 39,00 und 39,30 EUR zurückerobern. Die Rally ist damit angeschlagen. Ob sie fortgesetzt werden kann, hängt zunehmend von Margenqualität und Cashflow ab.
Zusammenfassung
adesso treibt das organische Wachstum weiter voran, muss den Ergebnis- und Cashflow-Schwung aber erst belastbar nachweisen, bevor aus der Kurserholung ein nachhaltiger Trend werden kann.
Strategic Resources entwickelt Vorkommen an Vanadium, Titan und hochreinem Eisen und steht mit Genehmigungsfortschritten sowie einem finnischen Wasserstoff-Stahlprojekt an der Schwelle zu einer strategisch relevanten Wertschöpfungskette.
INDUS verzeichnet einen operativ kräftigen Ergebnisanstieg, der jedoch stark von der angespannten Wolframcarbid-Versorgung getragen wird und nach der Analystenabstufung nun den Nachweis seiner Nachhaltigkeit erbringen muss.