26.10.2026 | 05:38
Zahlen, Risiken und Chancen – Mensch und Maschine, Nordex, Strategic Resources
An der Börse entscheiden derzeit nicht allein starke Schlagzeilen, sondern die Qualität der Zahlen und die Fähigkeit, gesetzte Erwartungen der Marktteilnehmer auch zu erfüllen. Drei sehr unterschiedliche Titel zeigen, wie schnell sich die Marktperspektive verändern können. Während bei einem Wert die charttechnische Unterstützung wackelt, sorgen bei einem anderen neue Wachstumsprojekte für Fantasie. Ein dritter profitiert von einer deutlich besseren operativen Entwicklung – doch auch dort steht die nächste technische Hürde unmittelbar bevor.
Lesezeit: ca. 6 Minuten.
Autor: Stefan Bode
ISIN: CA86277X4093 , DE0006580806 , DE000A0D6554
Mensch und Maschine nach den Zahlen: Droht der nächste Rückschlag?
Die Aktie von Mensch und Maschine Software SE (WKN: 658080 | ISIN: DE0006580806 | Ticker: MUM) geriet letzte Woche nach der Veröffentlichung ihrer Neunmonatszahlen deutlich unter Druck. Mit einem Minus von rund 2,3 % ging die Aktie mit 34,00 EUR aus der Handelswoche. Damit verschwand auch der seit Anfang Oktober aufgebaute Kursgewinn innerhalb weniger Handelstage komplett und eine mehrfach bestätigte Unterstützungszone rückt erneut in den Mittelpunkt.
Dabei fiel der Geschäftsbericht keineswegs durchweg schwach aus. Der Spezialist für Konstruktions- und Fertigungssoftware steigerte den Umsatz in den ersten neun Monaten um 6,9 % auf 189,34 Mio. EUR. Seine Lösungen werden unter anderem in der Industrie, im Bauwesen und bei Infrastrukturprojekten eingesetzt. Das eigene Softwaregeschäft entwickelte sich erfreulich: Hier legte das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 18 % auf 29,09 Mio. EUR zu. Im Segment Digitalisierung sank es dagegen um 38 % auf 7,83 Mio. EUR. Belastungen aus dem Autodesk-Geschäft verhinderten damit eine bessere Entwicklung auf Konzernebene. Insgesamt ging das EBIT leicht um 0,7 % auf 36,93 Mio. EUR zurück. Der Nettogewinn sank um 3,7 % auf 23,38 Mio. EUR. Positiv entwickelte sich der operative Cashflow, der von 16,62 Mio. EUR auf 27,72 Mio. EUR stieg. Für das Gesamtjahr sieht das Management weiterhin Chancen, mit einem starken Schlussquartal die untere Hälfte des angestrebten Ergebniswachstums von 11 bis 19 % zu erreichen. Die bisherige Entwicklung macht allerdings deutlich, wie viel dafür im Jahresendspurt noch gelingen muss.
Charttechnisch verschärfte der Rückgang eine ohnehin angeschlagene Ausgangslage. Seit Mai 2025 dominiert ein Abwärtstrend und eine nachhaltige Rückkehr über die 200-Tage-Linie gelang seither nicht. Aktuell verläuft dieser langfristige Durchschnitt bei 37,05 EUR. Auch unter den übrigen wichtigen Durchschnittslinien bleibt die Aktie: Die 20-Tage-Linie liegt bei 34,35 EUR, die 50-Tage-Linie bei 35,35 EUR und die 100-Tage-Linie bei 35,75 EUR. Der jüngste Erholungsversuch hat somit vorerst keine Trendwende gebracht. Entscheidend ist jetzt der Bereich zwischen 33 und 34 EUR. Diese Zone fing Rücksetzer bereits im März und Mai sowie Ende September und Anfang Oktober auf. Mit dem erneuten Test müssen die Käufer abermals beweisen, dass dort ausreichend Nachfrage vorhanden ist. Eine solche Unterstützung bietet zwar eine Chance auf Stabilisierung. Die wiederholte Annäherung bei gleichzeitig schwachem übergeordnetem Trend erhöht jedoch den Abgabedruck.
Sollte insbesondere die Unterkante bei 33 EUR nachhaltig fallen, würde sich das Chartbild weiter eintrüben. Als möglicher nächster Auffangbereich käme dann die historische Kursregion um 29,50 bis 30 EUR in Betracht. Zusätzliche Aufmerksamkeit dürfte dabei die psychologische Marke von 30 EUR erhalten. Für eine erste Entspannung müsste die Aktie dagegen die Unterstützungszone behaupten und anschließend die 20-Tage-Linie zurückerobern. Oberhalb davon würden zunächst die Durchschnitte um 35,35 bis 35,75 EUR warten. Bis dahin bleibt die technische Ausgangslage anfällig, während fundamental vor allem die erhoffte Ergebnisbeschleunigung im Schlussquartal überzeugen muss.
Grüner Stahl und Batterien bringt Strategic Resources ins Blickfeld
Die an der Börse mit rund 13 Mio. CAD (etwa 8,2 Mio. EUR) bewertete Strategic Resources Inc. (WKN: A3D7HW | ISIN: CA86277X4093 | Ticker Frankfurt: UI8) hat sich als hochgradig fokussierter Nischenakteur im Bereich der kritischen Mineralien positioniert. Das kanadische Rohstoffunternehmen erschließt strategisch bedeutsame Vorkommen von Vanadium, Titan und hochreinem Eisen in Form von Vanadium-Titan-Magnetit (VTM).
Angesichts der zunehmenden dekarbonisierten Industrieproduktion gewinnt die Bereitstellung emissionsarmer Einsatzstoffe für die Stahl- und Energiespeicherbranche immer mehr an Relevanz. Als klarer Nebenwert bietet daher Strategic Resources ein asymmetrisches Chance-Risiko-Profil, denn das Erreichen operativer Meilensteine kann in diesem Segment zu überproportionale Kursbewegungen auslösen.
Im kanadischen Québec forciert das Unternehmen den Bau einer industriellen Pelletieranlage am Tiefseehafen Port Saguenay mit einer angedachten Jahreskapazität von 4 Mio. Tonnen. Ein wesentlicher Katalysator ist hierbei das ausstehende regulatorische Votum des Umweltministeriums zur Erweiterung der genehmigten Ausbringung von 1,5 auf 4 Mio. Tonnen pro Jahr. Wirtschaftlich stützt sich der Standort auf außerordentlich preiswerte Wasserkraft für lediglich 0,04 CAD je Kilowattstunde (kWh). Dadurch belaufen sich die geschätzten Betriebskosten (OPEX) auf rund 16 USD je Tonne. Gegenüber realisierbaren Marktpreisen für Qualitätspellets von 50 bis 55 USD je Tonne eröffnet dies eine sehr attraktive operative Marge. Abgesichert wird die Vermarktung durch eine verbindliche, zehnjährige Abnahmevereinbarung mit Javelin Global Commodities. Dies bildet gleichzeitig das fundamentale Rückgrat für die anstehende Strukturierung der Fremdkapitalfinanzierung.
Parallel treibt Strategic Resources in Nordeuropa die Reaktivierung des Mustavaara-Projekts in Finnland voran, dessen Vanadium-Ressourcenbasis rund 100 Mio. Tonnen umfasst. Am 23. Juni 2026 initiierte die Universität Oulu das mit 17 Mio. EUR dotierte Forschungsprogramm „FutSteel“. Daran ist unter anderem der schwedische Branchenprimus und Stahlkonzern SSAB maßgeblich beteiligt. Als Lieferant für vanadiumreiches Magnetiterz ist Strategic Resources direkt in die Erprobung einer wasserstoffbasierten Direktreduktion eingebunden. Für fossilfreien Qualitätsstahl gilt dies als Schlüsseltechnologie der kommenden Jahre. Auf makroökonomischer Ebene adressiert die Wiederinbetriebnahme die dringliche Absicht der Europäischen Union, geopolitische Lieferkettenrisiken durch regionale Förderquellen zu minimieren.
Zugleich erschließt die Kooperation mit dem Technologiepartner Tyfast Energy über innovative Lithium-Vanadium-Oxid-Anoden (LVO) den dynamisch wachsenden Markt für langlebige Schnelllade-Energiespeicher im Schwerlast- und Verteidigungssektor. Diese Batterien zeichnen sich besonders durch ihre schnelle Ladezeit von unter zehn Minuten aus. Charttechnisch muss die Aktie die Unterstützungszone zwischen 0,15 und 0,20 CAD behaupten. Gelingt die Stabilisierung nach den letzten Kursrücksetzern, bietet sich ein attraktives Chancen-Risiko-Profil, denn auf der Oberseite liegt die nächste Widerstandszone erst bei ca. 0,40 bis 0,43 CAD.
Nordex: Prognoseanhebung beflügelt Aktie – fällt die 40-EUR-Marke?
Die Aktie der Nordex SE (WKN: A0D655 | ISIN: DE000A0D6554 | Ticker: NDX1) legte zuletzt deutlich zu, gab aber in der vergangenen Woche die Gewinne wieder ab. Erst stieg der Kurs auf 40,02 EUR um mehr als zwölf % an um dann bis zum Wochenende auf 36,36 EUR wieder abzufallen. Den entscheidenden Impuls lieferten vorläufige Quartalszahlen und eine höhere Margenprognose, die der Windkraftanlagenhersteller veröffentlicht hatte.
Nach vorläufigen, ungeprüften Angaben erzielte Nordex im dritten Quartal einen Umsatz von rund 2.187 Mio. EUR, nach 1.706 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum. Das EBITDA stieg von 136 Mio. EUR auf etwa 278 Mio. EUR und lag damit bei mehr als dem Doppelten des Vorjahreswerts. Die EBITDA-Marge verbesserte sich entsprechend von 8,0 auf 12,7 %. Damit übertraf das Unternehmen nach eigenen Angaben die Markterwartungen.
Als Gründe nannte Nordex höhere Margen im Servicegeschäft und eine starke Projektabwicklung. Zudem traten zuvor berücksichtigte Risiken im Projektgeschäft nicht im erwarteten Umfang ein. Der Vorstand hob deshalb die für 2026 erwartete EBITDA-Marge von bislang 8,0 bis 11,0 % auf 11,5 bis 12,5 % an. Auch der vorläufige freie Mittelzufluss verbesserte sich deutlich: Er stieg im dritten Quartal von 149 Mio. EUR auf rund 379 Mio. EUR.
Bereits zuvor hatte Nordex einen höheren Auftragseingang gemeldet. Im dritten Quartal bestellten Kunden Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2.810 Megawatt, ein Zuwachs von 29,5 % gegenüber dem Vorjahr. Von besonderer Bedeutung waren dabei die Türkei, Deutschland und die USA. In den ersten neun Monaten erreichte das bestellte Volumen 7.733 Megawatt und lag damit 16,1 % über dem Vorjahreswert.
Charttechnisch sorgte der Kurssprung zunächst für eine deutliche Entspannung, doch die Aktie scheiterte an der 50-Tage-Linie. Diese verlief an der psychologisch bedeutsamen Schwelle von 40 EUR lag am Freitag bei zuletzt bei 39,80 EUR. Seit Mitte Juli hatte Nordex wiederholt innerhalb einer breiteren Handelsspanne zwischen ungefähr 33 und knapp 42 EUR geschwankt. Ein großer Teil der Bewegungen spielte sich dabei zwischen 38 und 41 EUR ab. Mit dem kräftigen Anstieg kehrte die Aktie somit in einen bekannten Handelsbereich zurück. Für eine nachhaltige Verbesserung wäre entscheidend, die 40-EUR-Marke einschließlich der darüber bei 40,50 EUR gelegenen 200-Tage-Linie zu überwinden und anschließend bei Rücksetzern zu verteidigen.
Oberhalb dieses Bereichs würden die früheren Hochs nahe 42 EUR wieder in den Fokus rücken. Erst deren Überwindung würde einen Ausbruch aus der größeren Handelsspanne bestätigen. Ein Rückfall unter 35,86 EUR würde das zuletzt aufgehellte Bild dagegen deutlich eintrüben. Dann kämen sogar neue Jahrestiefs unterhalb der 30 EUR infrage.
Zusammenfassung
Mensch und Maschine enttäuschte trotz Umsatzwachstum beim Ergebnis. Die Aktie testet bereits die Zone um 33 EUR, während ein überzeugendes Schlussquartal zur zentralen Voraussetzung wird.
Strategic Resources setzt auf Vanadium, Titan und hochreines Eisen, muss dafür die geplante Pelletieranlage und die Reaktivierung in Finnland aber noch weitere Meilensteine umsetzen.
Nordex überzeugte mit deutlich höherem EBITDA und einer angehobenen Margenprognose, doch für ein nachhaltigeres charttechnisches Kaufsignal muss die Aktie 40 EUR überwinden.