Menü

23.11.2021 | 05:45

Wirtschaftsumbau mit Risiken – dynaCERT, RWE AG, Salzgitter AG

  • RWE
  • Salzgitter
  • DynaCERT
Bildquelle: pixabay.com

Der wirtschaftliche Umbau der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) - weg von der konventionellen Energieerzeugung hin zu nachhaltiger und erneuerbarer Energieproduktion - ist in vollem Gange. Dabei kann es einigen politischen Akteuren nicht schnell genug gehen. Ruft der angestoßene und gesetzlich festgelegte Umbau nicht auch eine massive Veränderung in dem bisweilen wirtschaftlich stabilen Gebilde hervor? Dass es viele Verlierer geben wird, interessiert manche Politiker wohl weniger, aber vielmehr die Investoren und Aktionäre. Letztere stehen selbstredend lieber auf der Seite von Gewinnern.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Dr. Tim Faustmann
ISIN: RWE AG INH O.N. | DE0007037129 , DYNACERT INC. | CA26780A1084 , SALZGITTER AG O.N. | DE0006202005


 

Diesel mit Wasserstoff - dynaCERT

Das Entwicklungsteam des kanadischen Unternehmens dynaCERT Inc. (WKN: A1KBAV ISIN: CA26780A1084 Ticker: DMJ) kann mit seiner Wasserstofftechnologie zur Reduktion von CO2-Emissionen betragen. Dabei wird der Wasserstoff in dieselbetriebenen Verbrennungsmotoren per Luftzufuhr beigemischt und erhöht somit die Verbrennungsleistung des Diesels. Damit erhöht sich die Kraft und der Verbrauch geht gleichzeitig je nach Dieselmotor um bis zu 20% zurück. Die Elektrolyse des Wasserstoffes erfolgt in unmittelbarer Nähe des Motors bzw. bei mobilen Einheiten wie LKW’s per Nachrüsteinheit an der Zugmaschine. Doch bisher ist das Produkt von dynaCERT noch nicht auf dem Absatzmarkt eingeschlagen.

Das könnte sich jedoch ändern, denn mit steigenden CO2-Preisen, erhöhen sich für jeden Dieselverbraucher die Opportunitätskosten immer weiter, gerade im Logistik- und Transportgewerbe. Da die Telematik-Software von dynaCERT die CO2-Reduktion durch Senkung des Dieselverbrauchs erfasst, arbeitet das Unternehmen derzeit intensiv daran, auch CO2-Zertifikate emittieren zu können. Gelingt über die internationale und renommierte Agentur Verra, dürfte dies ein schlagendes Argument für den Einbau der dynaCERT Technologie sein und der Aktie neuen Schwung verleihen.

Ergebnis überzeugt – Salzgitter AG

Durch die gestiegenen Stahlpreise konnte die Salzgitter AG (WKN: 620200 ISIN: DE0006202005 Ticker: SZG) sehr gute Zahlen präsentieren. Der Umsatz stieg in den ersten drei Quartalen von 5,26 Mrd. EUR auf 7,0 Mrd. EUR und der Gewinn vor Steuern kletterte auf 604,5 Mio. EUR. Das beste Ergebnis seit zehn Jahren und unterm Strich blieb ein Gewinn von 467,7 Mio. EUR. Im Vorjahr waren es -243 Mio. EUR. Damit ist die Salzgitter AG ein Profiteur der durch die Lockdowns gestörten Lieferketten. Der neue Vorstandschef Gunnar Groebler rechnet derzeit noch mit einer Normalisierung der Lieferketten im kommenden Jahr, aber das ist sicherlich nur eine Beschwichtigung der Lage.

Sollten die Lieferkapazitäten aus Fernost weiterhin stark eingeschränkt bleiben, dürfte die Nachfrage nach Salzgitter-Stahl weiterhin hoch bleiben. Innerhalb des ersten Quartals will der neue Unternehmenslenker auch seine zukünftige Konzernstrategie vorstellen. Diese dürfte mit Spannung erwartet werden, denn der Umbau zu einer grünen Stahlproduktion hat der Vorgänger Prof. Dr. Fuhrkamp bereits mit dem Projekt SAICOS vorgedacht. Wirtschaftlich umsetzbar war es aber aufgrund zu hoher Kosten und dem internationalen Wettbewerb noch nicht. Das wussten Beamte sicherlich auch von Anfang an, die Politik unter Kanzlerin Merkel änderte daran jedoch nichts. Ob den großen Ankündigungen der neuen Regierungsparteien in Berlin nun auch Taten folgen, bleibt abzuwarten. Bisher gab es der Worte vieler aus der Hauptstadt, nur bei der Umsetzung herrschte meist gähnende Leere.

RWE will Grüne Stromerzeugung verdoppeln

Der Energiekonzern RWE AG (WKN: 703712 ISIN: DE0007037129 Ticker: RWE) will seine Kapazitäten in den Erneuerbaren Energien mehr als verdoppeln. Allein bis 2030 will der Energieversorger Investitionen in Höhe von 50 Mrd. EUR bereitstellen, um den Umstieg auf Erneuerbare Energien zu beschleunigen. Die umweltfreundliche Stromerzeugung soll von 25 GW auf 50 GW steigen. 5 Mrd. EUR sollen dafür jedes Jahr in On- und Offshore-Windkraftanlagen, PV-Energie, Batterien und in die Wasserstoffproduktion investiert werden.
Damit soll das EBITDA des Stromversorgers jedes Jahr um ca. 9% p.a. steigen, was einem EBITDA von ca. 5 Mrd. EUR im Jahr 2030 entsprechen würde. Die im nächsten Jahr auszuschüttende Dividende für 2021 soll auf 0,90 EUR je Aktie erhöht werden, was bei einem aktuellen Kurs von 32,33 EUR einer Dividendenrendite von ca. 2,78% p.a. entspricht. Um das Wachstum nachhaltig zu festigen, konnte sich das Unternehmen mit einer 'Grünen Unternehmensanleihe' mit 1,35 Mrd. EUR für einen jährlichen Zins von 0,5% mit Liquidität ausstatten. Damit wird das auszubauende Geschäft für Windkraft- und Solarenergie günstig vorfinanziert. Nach 0,5 Mrd. EUR im Juni diesen Jahres ist dies nun die zweite 'Grüne Anleihe'.


Fazit

Auch wenn der Umbau der Wirtschaft hin zur CO2-freien Produktion etlichen Menschen nicht schnell genug gehen kann, investieren die Unternehmen bereits zig-Milliarden EUR in den Umstieg. Das funktioniert nicht von heute auf morgen und ist ein Prozess, der viele Jahre dauern wird. Dafür brauchen die Unternehmen aber auch planbare Rahmenbedingungen und an denen hat es, beispielhaft für das Salzgitter-Projekt SAICOS, jahrelang gefehlt. Ob die neue Bundesregierung nachhaltiger handelt, muss sich erst noch zeigen und solange bleibt es eine nicht-kalkulierbare Komponente.


Interessenskonflikt & Risikohinweis

Gemäß §34b WpHG weisen wir darauf hin, dass die HFC Hanseatic Financial Contor GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der HFC Hanseatic Financial Contor GmbH ggf. Aktien der genannten Unternehmen halten oder auf fallende Kurse setzen und somit ggf. ein Interessenskonflikt besteht. Die HFC Hanseatic Financial Contor GmbH hat ggf. eine entgeltliche Auftragsbeziehung mit dem Unternehmen, über die im Rahmen des Internetangebots der HFC Hanseatic Financial Contor GmbH sowie in den sozialen Medien, auf Partnerseiten oder in Emailaussendungen berichtet wird. Näheres regelt unser Interessenskonflikt & Risikohinweis.


Weitere Kommentare zum Thema:


Energiepreisanstieg und Wasserstofftechnologie – dynaCERT, Nio, Plug Power, Tesla

Energiepreisanstieg und Wasserstofftechnologie – dynaCERT, Nio, Plug Power, Tesla

Kommentar vom 28.10.2021 | 05:45

Wer zu Jahresanfang im Wasserstoffsektor nicht Kasse gemacht hatte und investiert blieb, musste in den vergangenen Monaten Kursrückgänge von bis zu 80% aushalten. Investoren, die seit Jahren in dem Sektor investiert sind, dürften immer noch im Plus sein. Und wer später oder gar zum Höchstkurs kaufte, der nennt erhebliche, aber nur schwach tröstlich „unrealisierte“ Verluste sein Eigen. Nach dem anfänglichen Hype um Wasserstoffaktien ist nun Realität eingekehrt. Wie Wasserstoff zukünftig bei der Energieversorgung zum Einsatz kommen wird, ist heute oftmals noch nicht klar, da die Serienreife noch fehlt. Aber mit zunehmenden Energiepreisen durch Verknappung und CO2-Bepreisung rückt die Wirtschaftlichkeit immer näher.

Zum Kommentar


Strom und Rohstoffe immer teurer – BP, RWE, Royal Helium

Strom und Rohstoffe immer teurer – BP, RWE, Royal Helium

Kommentar vom 12.10.2021 | 05:45

Der Technisierungsgrad der Wirtschaft nimmt immer weiter zu damit der Grad an Automatisierung, Mechanisierung und Maschinisierung. Doch allen Bereichen gemein ist der damit zunehmende Bedarf an Rohstoffen und Strom, die durch Verbrauch und/oder Verarbeitung die Arbeit des Menschen vereinfachen oder gar ersetzen können. Viele Rohstoffe sind dabei aus ihrer langjährigen Seitwärtsbewegung ausgebrochen oder notieren bereits auf Mehrjahreshoch. Da dieser Trend nachhaltig andauert, werden Unternehmen aus diesem Segment in den nächsten Jahren sehr viel Geld verdienen.

Zum Kommentar


Evergrande Krise - Substanz schlägt Wachstum – RWE, Deutsche Rohstoff AG, Gazprom

Evergrande Krise - Substanz schlägt Wachstum – RWE, Deutsche Rohstoff AG, Gazprom

Kommentar vom 22.09.2021 | 05:45

Nachdem die Börsenindizes von Allzeithoch zu Allzeithoch gerannt sind, schwächte sich in den letzten Wochen die Relative Stärke der Aktienmärkte erheblich ab. Divergenzen in den Indikatoren signalisierten Marktzurückhaltung und mit der nun vieldiskutierten Evergrande-Krise in China wurde ein Auslöser gefunden, der die aktuellen Marktrücksetzer rechtfertigen könnte. Dennoch ist Evergrande kein Lehman Brother die Zweite, sondern ein mit verwertbarer Substanz aufgebautes und verwertbares Unternehmen. Ja, die Eigenkapitalgeber werden zu Recht Geld verlieren. Die Kreditgeber werden durch Immobilienverkäufe zwar nicht kurzfristig, aber nach der Abwicklung bedient werden können. Daher schlägt im Ernstfall Substanz einen Wachstumstitel.

Zum Kommentar